404

Nichts würde fertig, gäbe es ihn nicht. Den letzten Drücker. Eine schnelle Umarmung, dann flott weiter, bevor die Tür schließt und der Zug ohne mich weiterfährt.

Einmal in echt erlebt. Links den Kaffee in der Hand. Rechts das Eierbrötchen, mein Portemonnaie und das Handy. Im Zug, mein Koffer, mein Rucksack, mein Laptop. Fühlte sich an, als führe das Leben ohne mich weiter. Aber immerhin musste ich währenddessen nicht verhungern … wobei Adrenalin bei mir zu Appetitlosigkeit führt. Ich habe das Brötchen nicht essen können, es wurde mir vor lauter Schreck richtig schlecht davon.

Schlecht wurde es mir gestern Abend auch ein bisschen. Kein Zugriff mehr aufs Backend, nix Dashboard, keine Möglichkeit, einen neuen Post zu schreiben. Keine Ahnung, weshalb. Zu viele offene Tabs? Mal eben alle Cookies löschen. Zugriff über das Handy meines Sohnes erfragen? Feststellen, bei ihm geht es auch nicht, was bedeutet, es liegt nicht an meinem Handy. Immerhin.

Mitunter bin ich sehr dankbar für KI. Sie darf meine Texte nicht schreiben und auch meinen Lebenslauf mag ich ihr nicht mehr zur Optimierung anbieten. Aber für technische Dinge, von denen ich keine Ahnung habe, sind die Angebote toll. Sei es, eine gute Übersicht zur Nutzung des neuen Grills zu bekommen, einen Spülkasten auszubauen oder halt herauszufinden, wie ich mich auf meiner eigenen Website einlogge …

Ich kann an der Stelle zugeben, ich bin ahnungslos. Und zwar wirklich und ehrlich. Eingerichtet hat Anna damals diesen Blog, samt Hosting. Ich habe nur übernommen und zahle seitdem meine Rechnung an Netcup. Ich habe nie hinterfragt, es hat ja funktioniert. Ich hinterfrage laufende Prozesse in der Regel erst, wenn sie nicht mehr laufen. Das liegt auch darin begründet, dass ich mehr als einen laufenden Prozess mein eigen nenne. Ich nehme ja auch nicht die Waschmaschine auseinander, um sie besser kennenzulernen. Aber ja, ich gebe ihr regelmäßig ein Update in Form einer gründlichen Reinigung. Wobei das in der Regel stattfindet, wenn ich bemerke, dass die Dichtungen dreckig werden… Und dafür muss ich Hinsehen. Was bei der Waschmaschine inzwischen funktioniert, ist auf meiner Website noch nicht soweit.

Ich bin also eher so „ich tue es, wenn es notwendig ist“ oder auch „ich tue es, wenn gar nichts anderes mehr geht“.

So wie gestern. Wo ich parallel auch noch das Eisfach abgetaut habe. Weil, da ging auch nichts mehr.

Ich, also leicht angespannt, zwischen Eis klopfen, Pfützen und Hosting erforschen. Ach, da kann ich mich einloggen? Nie getan! Einloggdaten? Wo finde ich die?

Genau da hilft KI. Sie erklärt all die unfassbaren Fragen, bleibt ruhig und keine Antwort klingt nach „Gott, aus welchem Jahrhundert stammt die??“ Ich wusste, dass ich mein PHP aktualisieren muss. Genauso wie ich wusste, dass ich das Eisfach bald abtauen muss. Es ging kaum noch zu. Die letzten Hitzewellen samt Dauernutzung für Stangeneis hat es überfordert.

Am Ende war es genau das. PHP veraltet. Plugins auch aus dem letzten Jahrhundert. Ein Backup? Noch nie gemacht. Aktualisieren? Nur, mit Backup. Es könnte mir sonst das Theme zerbröseln. Warum eigentlich?

Die Antwort ist einfach. Diese technischen Feinheiten fallen mir nicht leicht. Wenn ich mich damit beschäftige, bedeutet das für mich auch, tief einzusteigen. Ja, ich kann ein CRM oder ein CMS bedienen. Das ist einfach. Die jeweiligen Tools funktionieren in der Regel einfach und ähnlich. Wenn es aber darum geht, in den Hintergrund zu schauen, dann kann ich nicht einfach nur mal einen kleinen Blick werfen. Ne. Dann will ich es verstehen. Und das kostet.

Zeit. Ruhe. Muße. Da ich technisch nicht affin bin, und darum weiß, schiebe ich diese Lernerfahrungen gerne raus. Einen Grill einzubrennen ist viel einfacher. Da gibt es nicht so viel in die Tiefe zu lernen. Und das Eisfach braucht auch vor allem Handtücher und Geduld.

Handtücher habe ich. Geduld manchmal auch. Der Grill hat jetzt eine Haube. Und ich Zugriff auf mein Backend.

Was lernen wir nun daraus?

Nix. Außer, es wäre gut, sich schon damit zu beschäftigen, wenn die Hinweise sichtbar sind, und nicht erst, wenn die Tür nicht mehr aufgeht und die 404 erscheint. Sonst fährt der Zug ohne mich weiter. Und ob ich dann mein Gepäck und meinen Laptop wiedersehe?

Das kläre ich auf der Fahrt nach München auf 🙂

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