ein Ohr leihen

Niemals den Tag vor dem Abend verfluchen! Was bescheiden anfängt, kann besser werden.

Am Vormittag habe ich noch schwitzend an einer Mauer im Schatten gelehnt und eine halbe Stunde am Telefon mit dem Vater von K5 über Unterhalt, Betreuungskosten und Düsseldorfer Tabellen diskutiert. Unangenehm uneinsichtige Missverständlichkeiten wollten aus dem Weg geräumt werden. Ich wollte lieber den Kalk von der Mauer lecken, das erschien mir wertvoller. Spurenelemente und so.

Mittags dann, um runter zu kommen, habe ich eine Runde Gymnastik mit dieser Dame von YouTube gemacht. Tolle Videos, eher so für Menschen 60+. Da fühle ich mich gut aufgehoben, ich habe seitdem keine Zerrung mehr gehabt. Ich bin heute allerdings fast mit den Knien von der Matte geslidet. 36 Grad sind 36 Grad, da schwitzen meine Beine schon, bevor ich sie bewege.

In diesem Modus frisch abgebauter Kalkablagerungen klingelte erneut mein Telefon. Keine Nummer, die ich zuordnen konnte, aber ich bin dennoch fröhlich drangegangen. Gute Entscheidung. Diesmal kein unangenehmes Gespräch über Geld. Eher ein angenehmes Gespräch über zukünftiges Geld. Ich bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Und was war das für ein schönes, fröhliches, witziges Telefonat!

Alles in allem hatte der Tag alles. Inneres Augenrollen wegen Unterhaltsfragen, Frust wegen Abhängigkeiten (ich hasse es zutiefst, auf Unterhaltszahlungen angewiesen zu sein, und ja, ich bin auf Unterhaltszahlungen angewiesen), Schweißausbrüche am Knie und Euphorieausbrüche im Kopf. Ich dachte eigentlich, es würde einfach nur ein entspannter Vormittag, an dem K5 mit seiner Schwester einen Ausflug macht und ich mich um ein paar Dinge kümmern kann, wie einkaufen. Und Unterhalt besprechen. Und Job besprechen. Krass.

Ich habe also ein Vorstellungsgespräch, am Freitag. Im Vertrauen zu bleiben ist keine leichte Übung, aber bis hier ist sie mir gut gelungen. Ich bin weiterhin im Vertrauen, ich hatte ein so positives Gespräch, ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, wie das schiefgehen könnte mit dieser Position in dieser Firma. Ich müsste schon abwesend sein beim Vorstellungsgespräch, glaube ich. Was nicht bedeutet, dass ich mich zurücklehne und völlig unvorbereitet in dieses Gespräch gehe.

Wobei, wenn ich ehrlich bin – doch, das wird in etwa unvorbereitet improvisiert laufen. Ich bin mit K5 allein diese Woche. Wann ich mich intensiv vorbereiten will, wäre mir zeitlich ein Rätsel.

Es wird ein fachliches Gespräch und ich weiß ja zum Glück, was ich kann. Das ist wirklich ein Segen. Ich muss mir nichts ausdenken und ich muss auch von heute bis Freitag nichts Neues lernen, dass ich als meine Expertise ausgeben könnte. Fakt ist, ich habe entweder Expertise in Marketing und Event. Oder ich habe sowieso reingeschissen. Seien wir also ehrlich – und ohne ehrlich läuft auch eine Zusammenarbeit nicht. Ich werde da rein gehen, wie ich immer rein gehe. So, wie ich bin, ehrlich vertrauend. Schnell denkend, schnell spürend, das Richtige sagend. Ist ein Talent. Habe ich nicht erst seit gestern. Auch darauf darf ich mich verlassen.

Natürlich hole ich mir vorher die Informationen über die Firma, die ich finden kann. Ich will und darf wissen, was das Unternehmen macht, wie sie sich präsentieren, um dann die richtigen Fragen stellen zu können. Zum Beispiel, wie ihre Eventstrategie aussieht, wen sie erreichen wollen, mit welchen KPI’s sie aktuell Erfolg messen, welche Veränderungen sie sich wünschen. Welche vielleicht ganz neuen Zielgruppen sie erreichen wollen. All das.

Der Rest? Ein Kinderspiel der Aufmerksamkeiten.

Jetzt bloß nicht nervös werden!!

Hach. Es ist eine sehr aufregende, letzte Ferienwoche. Es geht heiß her. Ich bin wirklich gespannt, in welchem Tempo das hier weitergeht.

Das Thema Unterhalt hat sich dabei ein wenig in der Bewertung verschoben. Hat mich das Gespräch heute Vormittag noch gestresst, war dieser Stress nach dem Sport schon besser und nach dem Telefonat gänzlich in den Hintergrund gerückt.

Ich hatte und habe mit den Vätern meiner Kinder nicht immer nur eitel Sonnenschein, ganz im Gegenteil. Es gab keinen Vater, der nicht auf die ein oder andere Weise versucht hätte oder hat, sich Schlupflöcher zu suchen, um weniger Unterhalt zu zahlen. Das ist in ungefähr so eine beliebte Handlung wie Steuern zahlen. Ideen zu entwickeln, beides möglichst gering zu halten, die Steuern und den Unterhalt, ist eine Art Hobby. Wie Jagen. Oder Glücksspiel. Anwälte, die das drauf haben mit den Steuern und dem Unterhalt, verdienen viel Geld. Geld, das besser für die Kinder eingesetzt wäre, für Klassenfahrten, Zirkel und neue Fußballschuhe. Sag ich mal so. Ganz wilde Theorie, dass all die Zeit und die Kraft, die hier aufgewandt wird, um zum Beispiel Geld ins Ausland zu bringen oder sich als Selbstständiger weniger Gehalt zu zahlen, ist schon absurd.

Kurze Mitteilung an die Väter meiner Kinder: ich habe immer noch keine Gucci-Handtasche! Aber verzeiht, ich habe letztens einen 3-tägigen Städtetrip nach München gemacht. Wie konnte ich nur, angesichts der Tatsache, dass ich gerade GAR NICHTS TUE und auf Staatskosten auf der faulen Haut liege! Unglaublich ist das.

Hat keiner gesagt. Also, nicht laut. Ich habe allerdings auch geschulte Ohren. Mitunter höre ich auch, was nicht gesagt wird.

Aber – es macht mich auch immer äußerst wach. Es ist nicht gut, dass ich abhängig bin von Unterhaltszahlungen. Oder vom Arbeitsamt. Ich will und muss und werde mein eigenes Geld verdienen. Bald. Mich auf Vätern oder dem Staat ausruhen war noch nie mein Ding. Ich möchte mich wenn, dann auf mir selbst ausruhen. Oder mit mir selbst.

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