Way up. Kaum schließe ich einmal die Augen, haben wir Ende September. Kein Wort kam mehr über meine Tasten, drei Wochen lang. Damit habe ich nicht gerechnet.
Die Welt hat sich weitergedreht, wie sie es immer tut. Stoisch, täglich, in ihrem eigenen Rythmus. Langweilig würde mir, würde ich so, täglich, immer im gleichen Rythmus. Ob der Welt wohl ab und an langweilig wird? Bei all dem, was passiert, kann ich mir das nur schwer vorstellen.
Hier grüßen jedenfalls täglich keine Murmeltiere, aber ich sehe bei meinen Spaziergängen sehr eifrige Eichhörnchen, die sich auf den kommenden Winter vorbereiten. Die wissen, wann es an der Zeit ist. Auch knalliger Sonnenschein kann sie nicht irritieren. Ich habe beschlossen, keine Kastanien mehr zu sammeln. Ich brauche sie weniger dringend. Ich möchte sie auch nicht essen. Ganz im Gegensatz zu den Eichhörnchen, die eifrig meine Wege kreuzen. Hier gilt: ich spiele nicht mit Essen. Jedenfalls nicht mit dem Essen von Eichhörnchen.
Dem Impuls, mich auf den Winter vorzubereiten, gebe ich mich dennoch hin. Ich kaufe Kerzen und Kerzenhalter für den Advent. Eigentlich hätte ich alles so belassen, wie es ist – es braucht nicht dringend neue Dinge. Es ist nur so, ich will neue Dinge. Einfach so. Weil vieles neu wird. Weil die Tage der Arbeitslosigkeit bald vorbei sind. Weil ich wieder Geld verdienen werde. Weil ich mir Kerzen leisten darf. Einfach so.
Der Job, der zu mir wollte, hat seinen Weg gefunden. Finally habe ich vor zwei Tagen den Arbeitsvertrag unterschrieben und heute mit meinem neuen Kollegen telefoniert. Sehr smart, er rief mich an, und freute sich, dass es geworden ist. So wie sich viele andere Menschen aus diesem Unternehmen bei mir gemeldet haben und sich gefreut haben, dass es geworden ist.
Ich kann das immer noch nicht so wirklich verarbeiten. Ich weiß jetzt seit gut 10 Tagen, dass die Wahl auf mich gefallen ist. Auf wen auch sonst ist eine arrogante Version der Geschichte. Da waren andere Bewerbende, und laut meiner zukünftigen Vorgesetzten waren auch die wirklich gut. Die Wahl ist dennoch auf mich gefallen, und natürlich kichere ich innerlich vor mich hin. Weil, natürlich bin ich eine gute Wahl! Die Beste! Wirklich davon überzeugt bin ich meist so 5 Minuten am Tag. Ich steigere die Dosis, weil – die Wahrheit ist, ich bin eine gute Wahl, auch an den anderen Minuten.
Inzwischen freue ich mich darauf, wieder zu arbeiten. Um nicht zu sagen, es wird Zeit, dass ich wieder in einem normalen Kosmos agiere. Jetzt nicht stoisch täglich im gleichen Rythmus, aber jedenfalls täglich. Täglich muss ja nicht heißen, dass es langweilig wird.
Mein Selbstwert hat jedenfalls eine Menge Futter bekommen. Ich gehe auf LinkedIn und lese, wie es anderen Bewerbenden geht und denke – verdammt. Habe ich Glück gehabt. Ich habe kaum etwas dafür getan, dass ich einen Job gefunden haben. Ich habe im Grunde auch keinen Job gefunden. Ein Job hat mich gefunden.
Es ist schön, gefunden zu werden. Danke, liebes Universum, dass du an dieser Stelle den Vorhang gelüftet und den Spot auf mich gelenkt hast. Schau her, hier. Sie.
Treffender hätte ich mir eine Bestätigung dieses einen großen Talents nicht wünschen können. Ich habe eine sehr gute Intuition. Und diese Intuition sagte am 27. Juli, dass das mein neuer Job wird. Ich weiß noch, wie ich im Schlafzimmer stand, nachdem ich mein Zeugnis geschrieben hatte, es war ein Montag. Ferien. K5 war noch beim Vater. Ich hatte überlegt, mir ein Eis zu holen, als Belohnung für den Tag. Ich hatte morgens mein erstes Jobcoaching von der Arbeitsagentur, hatte mittags dieses verdammte Zeugnis geschrieben und wollte raus. In die Sonne. Und da kam die Nachricht auf Linkedin von Christine. Wie es mir ginge, ob ich noch verfügbar sei und ob ich Interesse an einem Job habe, sie hätte da was, allerdings nur befristet …
Ich weiß noch, wie ich breit grinsend im Schlafzimmer stand und dachte, ach, da ist er ja, mein Job.
Hier ist er ja, mein Job! Ich lag einmal mehr richtig.
Übrigens auch bei den Anwandlungen des Kindsvaters von K5. Der hatte tatsächlich nach dem Einschulungsevent seines Sohnes die Hoffnung, wir könnten in Zukunft öfter mal als Familie was gemeinsam machen. Es sei doch so schön gewesen.
Schön wäre gewesen, er hätte wahrgenommen, wie es mir geht. Irgendwann in den vergangenen Jahren. Aber alles kann man nicht haben.
Und wenn ich ehrlich bin, ich habe eh lieber den Job. Das ist deutlich attraktiver 🙂

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