Eine Affenhitze da draußen und dennoch voll der Herbstblues. Es dunkelt, ab 20:30 Uhr. Es schleicht auch morgens schon so eine Form von Düsternis um mein Bett. Ich bin irritiert und höre mich vorhin beim Abendessen sagen, dass jetzt leider der Sommer bald vorbei ist. Draußen, 30 Grad, by the way.
Was ist da denn los? Ich, die ich Sommer als die Jahreszeit betrachte, die als erstes abgeschafft werden könnte, bin traurig, weil der Sommer bald rum ist? Sollte ich nicht feiern, dass demnächst die ersten Lebkuchen käuflich zu erwerben sind? Oder mich freuen, dass ich bald wieder einen Pulli über mein Wohlstandsbäuchlein ziehen kann?
Vielleicht mag ich mich ja nicht mehr so aktiv verstecken, vor dem Sommer samt seiner Gefühle? Das wäre doch eine gute Sache, weil es nunmal noch mehr Sommer geben wird in der Zukunft. Und die kommenden Sommer werden vermutlich heißer werden als die aktuellen Sommer es sind. Da wandelt sich viel, nicht nur in meinem kleinen Universum, dass sich mit voller Anziehungskraft um meinen Bauch dreht.
Von außen betrachtet ist die Welt so schön. Von innen hat sie ziemlich Schieflage.
Mich selbst betrachtend bin ich mir natürlich meiner Kleinigkeit bewusst. Ich mag mich aber auch nicht kleiner denken als ich bin. Ich habe seit Geburt gelernt, dass ich nichts besonderes bin, nicht wichtig für diese Welt, halt nur ein weiterer kleiner Mensch, verdonnert zur Unsichtbarkeit.
Nur in Demut ist das Himmelreich und so. Dabei will ich gar nicht in den Himmel, mir reicht auch der Eisschrank und eine kühle Limo.
Affenhitze also heute, und Gedanken über Affen und die Hitze, den Sommer und das Universum in und um uns. Dazu mein Sohn, der heute ein Shirt von Smafolk aus dem Schrank geholt hat. Mit lauter Affen drauf. Wirklich auffällig, knallig, keine Kleidung, die man an einem 5klässler erwarten würde. Nicht cool. Dabei total cool, dass er das Shirt immer noch trägt. Seit Beginn der weiterführenden Schule auch bereits zum zweiten Mal.
Beim ersten Affentanz gab’s ein paar dumme Sprüche von den Jungs in seiner Klasse. Die hat er mit „das Shirt lag halt oben und ich mag’s“ gekontert. Heute habe ich gefragt, und er sagte, diesmal haben ein paar Mädchen was gesagt und es sei ihm völlig egal. Ich finde das affenstark.
Bei mir knallt es gern mal, und alle meine Kinder haben durchweg fröhliche, bunte, schräge, abgefahrene Kinderkleidung getragen. Es gab auch dunkelblaue Pullis, keine Sorge. Aber seltener. Ab 10 änderte sich das meist hin zu einem eigenen und anderen Stil. Aber auch da blieben rosa Hoodies und grüne Shirts im Bestand, mit frechen Motiven, coolen Sprüchen. Vom Typ her Skatermode, breit, laut, auffällig. Das gefällt mir selbst am Besten. Darin sehe ich auch meine Kinder sehr gern.
Und dann verwächst sich das. Beim einen früher, beim anderen später, und bei manchen nie. Ich liebs. Ich liebe auch das Affenshirt. Noch mehr liebe ich, dass mein Sohn so cool ist und sich auffallen traut. Das ist wunderbar! Vielleicht sind wir doch mehr als nichts in diesem Universum. Vielleicht dürfen wir uns in die Sonne stellen und sein. Affig oder nicht.
Ein bunter Hund. Spannend, dass gerade die bunten Hunde in dieser Welt so viel komische Sprüche abbekommen. Wer hat eigentlich festgelegt, dass beige, weiß, schwarz und Jeans normal ist, und dass normal besser ist als affig?
Ich mag das nicht. Ich mag es bunt. Jeder möge tragen, was er will. Jeder möge sein, wer er will. Wobei, hier natürlich mit Einschränkungen. Also, jeder möge sein, wer er will, solange er dabei niemanden verletzt, weder mit Worten noch mit Taten. Also, bunt ja, Arschloch nein.
Bunt tut halt niemand weh, außer vielleicht manchmal am Auge, wenn es sehr schrill ist. Arschloch tut in der Regel immer weh.
Aber gut. Es ist spät und heiß und ich feiere, dass mein Kind sich seiner selbst und der Affen in seinem Leben bewusst ist und ich hoffe, dass das so bleibt. Auch ohne Affen. Dass er zu sich steht und sich nicht von der Meinung der anderen ausziehen lässt.
Wobei, wenn ich jetzt ein Kind hätte, dass sich klar rechts positioniert, und die anderen finden das alle doof, denke ich dann auch, dass ich stolz bin, weil mein Kind zu sich und seinem Hass und seiner wenig bunten Weltanschauung steht?
Ganz schwierig gerade, beim Thema Philosophie muss ich heute wirklich passen. Dafür ist es schon zu dunkel draußen.

Schreibe einen Kommentar