Am Ende muss einer aufräumen

und in der Regel bin ich das. Dabei ist mein Lustlevel in diesem Jahr ähnlich niedrig wie das meiner Kinder.

Meist ist es eher so, dass ich mir dringend das Ende des Sommers, der Sommerferien wünsche, um wieder normale Zustände zu haben. Verlässliche Prozesse, die meinen Tag und die Tage meiner Kinder strukturieren. Ein „was machen wir heute“ kommt da selten vor und kann mich daher auch selten stressen oder herausfordern. Weshalb ich an den Wochenenden oft gelassener bin, weil sie begrenzte Ausflüge aus dem Alltag darstellen.

Die echte Herausforderung sind für mich die sechs Wochen in den Sommerferien. Die Zeit ist lang, länger, viel zu kurz. Wie soll man all die Freiheit in diese mickrigen Wochen bekommen? Vor allem, wenn man bis 10:30 Uhr im Bett liegt? Das klappt nie im Leben!

Alles kommt zu kurz. Vor allem der Haushalt. Da steht noch die Kühlbox vom gestrigen Ausflug und das Geschirr von vorvorgestern, der Bollerwagen steht im Garten herum, niemand mag all das in den Keller tragen. Ich habe keine Lust dazu. Ich habe keine Lust, vernünftig zu sein. Einen Essensplan zu schreiben. Ich will mich treiben lassen, wo ich doch gerade das Schwimmen lerne, in der Untätigkeit. Es ist ein geschicktes Manövrieren. Ich bewege immer mal die Arme, um über Wasser zu bleiben, oder die Füße, um vielleicht ein kleines Stück voran zu kommen. Aber meist liege ich auf dem Rücken und schaue in den Himmel. Dabei habe ich Wasser auf den Ohren und kann einfach nichts hören. Geil.

Wenn ich den Kopf drehe, sehe ich natürlich die Tüte Chips auf dem Sofa, die Sammelbildchenrückseiten auf dem Fußboden und mein aufgeschlagenes Buch auf der Sofalehne. Ansprechen tut mich davon nur das Buch. Den Rest blende ich aus, mit einem Farbfilter. Klappt bei dem schönen Grün der Chipsverpackung hervorragend. Es könnte auch Kunst sein!

Eine Kunst ist es, in dieses Sein Ordnung zu bringen. Ich will das Gesamtkunstwerk in keinem Fall zerstören. Es soll wirken können, auch in den Alltag hinein, als warme Erinnerung an einen besonderen Sommer. Ich darf also nur so viel wegnehmen, dass das Gerüst stabil stehen bleiben kann.

Wie so oft im Leben, alles ist Kunst und die Frage, was davon weg kann, ändert sich nie.

Wir genießen diesen letzten offiziellen Sommerferientag. Ein Sonntag. Manchmal denke ich, es sei schlau, die Schule beginne an einem Freitag. Ein Tag, ein Hallo an Alle, Austeilen der Zettel und wichtigen Informationen, Austauschen von Geschichten rund um den Paulanergarten und dann, Hoch die Hände, Wochenende! Alle würden sich frei fühlen an diesem Wochenende. Niemand würde hadern, dass es das letzte Wochenende dieser Art ist, sondern sich freuen, dass es das erste Wochenende im neuen Alltag ist. Man könnte sich mental anders auf den Start vorbereiten, weil es schon ein Pre-Opening gab.

Geile Idee, oder? Ich nehme an, die Konferenzen für Lehrer liegen deshalb auf einem Freitag. Dann sind immerhin diese sehr wichtigen Personen gut vorbereitet. Bei meiner Tochter weiß ich, sie macht heute Unterrichtsvorbereitung. Sonntag. 35 Grad. Es geht genau so weiter, wie es eben noch war. Sechs Wochen sind keine Zeit und alle Zeit.

Der letzte räumt die Erde auf. Das bin heute ich. Die Freude kommt sicherlich beim Tun.

Mich freut, dass es mir schwer fällt. Ich bin dieses Jahr nicht abgesoffen in den Ferien. Ich hatte Tage, die schwerer waren, diese Tage hat der Alltag allerdings auch für mich. Es gab nur wenige Momente, in denen ich mich überfordert gefühlt habe, und wenn, habe ich Lösungen dafür gefunden. Bewegung eingebaut. Ich lag nicht ausschließlich bewegungslos und taub auf dem Rücken, ich war auch aktiv. Ich fahre wieder Fahrrad. Ich habe diesen tollen Bewerbungsprozess. Ich treffe mich mit Freunden. Ich bin auf Nachbarschaftsfeiern eingeladen. Und ich kann den Rest des Sommers noch gestalten, weil neben Schule auch noch genug Freizeit bleibt, um abends auf dem Wasser zu liegen und in den Himmel zu schauen. Wenn ich das will.

Mein Sohn steht an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt. Die weiterführende Schule wird auch für ihn Veränderung bringen und ich freue mich, dass ich für ihn Zeit habe. Wenn diese Arbeitslosigkeit für eine Sache gut ist, dann dafür. Ich bin da, die ersten Wochen noch ganz exklusiv, für seine Fragen, für seine Unsicherheiten, für sein Ankommen in einer neuen Umgebung. Ich hoffe, er bekommt auch von Seiten der Schule ein gutes Onboarding, der Lehrer ist nett, die Mitschüler:innen auch. Und wenn diese Übung gut gelungen ist, dann boarde ich selbst wieder on. Entweder in diesen Job, wenn der zu mir will – oder in diesen Prozess, einen Job anzulocken, damit er zu mir will.

Es wird in jedem Fall weitergehen.

Für heute räume ich aber einfach die Küche auf. Weil es auch das braucht. Umso schöner, danach auf dem Sofa die Nase in das aufgeschlagene Buch zu stecken.

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