Regelmäßig gönne ich mir den Genuss, Dinge zu tun, die ich noch nie in meinem Leben getan habe. Heute, einen Grill einbrennen. Gestern, einen Grill aufbauen. Vor Tagen, mich für einen Grill entscheiden. Meinen ersten, eigenen Grill.
Klingt absurd? Ist es auch. Grillen, das hat für mich auch oft ein „Boar, nervt das, diese Irren, die immer und ständig grillen, als sei das so eine Art Glaubensbekenntnis“ – und ich, mitten drin, konfessionslos.
Gefühlt Jeder, immer und besonders im Sommer. Sommer, eh schon die Jahreszeit, bei der ich mich bevorzugt im Keller einschließen und Kartons sortieren möchte. Nicht meine Jahreszeit. Zu heiß, zu viele grillen und ständig dreckige Füße.
Auch unseren Balkon habe ich die letzten Jahre nicht besonders liebevoll gepflegt. Das ist so ein Sommer-Ding, für das ich mir ungern Zeit genommen habe. Wegen des Kellers und der Kartons. Ausreden finden sich immer.
Dabei haben wir einen schönen Balkon. Kann man was draus machen. Einen Grill draufstellen, zum Beispiel. Neben die Feuerschale.
Tatsächlich haben wir in den letzten Jahren auch durchaus mal gegrillt – auf erwähnter Feuerschale, mehr oder weniger improvisiert, K4 hat es geliebt. Im Grunde ist er unser Grillmeister. Oder, war es. Seit diesem Sommer zeigt er weniger Interesse daran, sich um ein saftiges Grillerlebnis zu kümmern. Lag er mir noch im vergangenen Jahr damit in den Ohren, zeigt er in diesem Jahr eine gesunde Entwicklung hin zu einem normalen Teenager, der keine Lust mehr hat, für uns zu grillen.
Ich bin diesen Sommer etwas milder gestimmt, was den Sommer angeht. Er nervt mich nicht mehr so dolle. Ich habe Lust, den Balkon hübsch zu machen. Ich halte mich draußen auf. Eventuell werde ich alt und spießig, mit Fleisch und Gemüse dran. Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal. Ich mag es schön haben, gerade, und vielleicht stelle ich doch noch fest, dass grillen schön ist.
Unseren neuen Grill finanziere ich mit den Dingen, die wir bei Kleinanzeigen verkaufen – nachdem wir inzwischen erfolgreich ein neues Sofa querfinanziert haben, brauchte es ein neues, gemeinsames Projekt. Etwas, das uns allen gut tut. Die Jungs finden meinen ersten eigenen Grill auch sehr ansprechend, sagen sie. Und so sammele ich jetzt meine ersten, eigenen Erfahrungen mit indirektem und direktem Grillen, mit Würsten, Steaks, Obst, Gemüse und was sonst noch geht.
Ich mag das, wenn ich Neues lernen kann. Und learning on the Job war schon immer meine bevorzugte Lernweise. Hier also alles neu. Ich habe kein Fitzelchen Expertise im Grillen. Auch nicht im Aufbauen. Schon gar nicht im Einbrennen. Ich habe aber meine Methoden, Expertise zu erlangen.
Falls verfügbar, hole ich mir Wissen gern von Menschen. Ich Frage. Ich lasse mir Dinge erklären. Oft aber springe ich beim Fragen so sehr, dass Menschen ein wenig verzweifeln. Der KI ist das egal, wie oft ich genau das gleiche nochmal anders frage. Sie hat erstaunlich viel Geduld. Weil, diese angeblich dummen Fragen, ich kann wirklich viele davon stellen. Weil ich es verstehen will. So ganz wirklich bis in die Tiefe.
Ich nutze auch gern YouTube-Videos oder entsprechende Webseiten, auf denen Wissen vermittelt wird. Auch die KI bedient sich ja dieser Quellen und liefert auf meine Fragen eine Schnittmenge aus diesen Informationen. Ich muss mir die Quellen nicht mehr selber suchen, das nehme ich für mich persönlich als größten Mehrwert aktuell aus dem Thema mit. Research wird einfacher. Wenn ich tiefer einsteigen will und die Themen komplexer sind als ein Kugelgrill von Weber, dann muss ich natürlich anders mit KI sprechen. Für das Einbrennen dieser Informationen war es aber auf diesem sehr einfachen Weg sehr ausreichend. Lüftungslöcher offen oder zu? Welche Stellung bei welchem Grillgut? Kann ich nach dem Einbrennen direkt weitergrillen? Wie hoch sollte die Temperatur sein?
All diese böhmischen Dörfer habe ich heute erkundet. Es war ein selbstwirksam schmackhafter Ausflug in eine Welt, der ich sonst eher als Salatschleuder beiwohne. Meine Aufgabe beim Grillen war bis dato eher so „der beste Nudelsalat und die leckere Auberginencreme“.
Jetzt will ich lernen, wie ich Mais grille, Fisch grille, den Pizzastein nutze und noch so vieles mehr! Das ist ja das Schöne, wenn ich erstmal anfange, mich in ein neues Gebiet einzulernen, dann will ich in der Regel, dass sich das Wissen wirklich einbrennt und durch viel Übung zur Expertise wird.
So ist das bei mir. Und da es total gut tut, sich regelmäßig herauszufordern, habe ich mir schon ein neues Projekt gesucht. Die einzige Orchidee, die es in diesem Haushalt geschafft hat, dreimal zu blühen, möchte umgetopft werden. Ich bin mir sicher, ich habe das noch nie gemacht, das wird also richtig gut!

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