Bauchliebe

Heute stand mein Bauch im Mittelpunkt des Geschehens. Bauchfrei. Unverhüllt. So, wie Nutella ihn schuf.

Vergangenen Freitag habe ich mir eine leichte Zerrung am Zwerchfell zugezogen. Im Bett.

(Ich, mit mir allein, habe mich auf die rechte Seite gedreht. Wie das so ist, bei Walen).

Wenn ich mir das so vorstellen, muss ich schon auch Lachen, allerdings tut Lachen gerade ein wenig weh. Nichts dramatisches, aber schon so, dass ich gerade keinen Sport mache und auch ungern auf dem Bauch liege. Meine Massage war schon länger für heute vereinbart, und natürlich habe ich das Thema mitgenommen und vorgetragen. Bauch ist für Claudia, meine Masseurin, schon länger ein Thema unserer Gespräche. Ich glaube, Bauch ist für fast alle Menschen ein Thema. So ein Bauch, der wirft nicht nur Falten, der wirft auch Fragen auf.

Fragen sind willkommen, auch in der Massage. Genauso wie Gefühle. Ich gehe jetzt seit einem Jahr zu Claudia in die Touch-Live-Massage und bin total überzeugt und begeistert. Massagen haben mich früher gegruselt, ich habe mich unwohl gefühlt, hatte oft Schmerzen währenddessen oder hinterher. Ich habe mich nicht wohl gefühlt. Mit Claudia ist es anders. Von Termin zu Termin stellen sich weniger Fragen, mein Körper ist geschmeidiger, ich kann besser loslassen und damit auch besser zulassen, berührt zu werden. Ich habe deutlich weniger Schmerzen und gewinne ein Gefühl, dass ich lange vermisst habe. Ein Körpergefühl. Ein – hier fange ich an, hier höre ich auf. Ganzheitlich.

Und heute also mein Bauch. Ich lag auf dem Rücken und habe meinen Bauch freigelegt. Meinen Bauch, mit dem ich sehr kritisch bin, außer, ich bin schwanger. In den Schwangerschaften habe ich ihn geliebt. Da war er Heimat für meine Kinder. Er war wunderschön! Und außerhalb der Schwangerschaften ist er einfach, naja, zu viel. So wie ich im Leben oft zu viel war oder so, wie mir das Leben oft zu viel ist.

Claudia hat mir heute sehr gut getan. Die Hand aufgelegt. Blockaden gefühlt, die mir schon auch bewusst sind, die ich aber dennoch in der Regel ausblende. Als könne ich meine eigenen Grenzen und meine eigenen Themen nicht sehen. Als sei ich blind. Dabei darf mich wirklich mehr um meinen Bauch kümmern. Ihn auch mal selbst massieren (da gibt es wirklich gute Videos bei YouTube mit Bauchmassage-Anleitungen). Ihn auch mal halten und freundlich mit ihm sprechen. Ihn Kennenlernen, ihn mit Atem füllen, ihn nicht nur ständig einziehen und nicht dauernd darüber nachdenken, dass er schon wieder über den Hosenbund lugt.

Selbstliebe beginnt mit dem Bauch. Oder wie Claudia sagte, wer weiß? Vielleicht denkt dein Bauch, er müsse noch größer werden, damit du ihn endlich wahrnimmst? Vielleicht denkt er, wenn ich noch größer werde, kann sie mich doch nicht mehr übersehen?

Ja. Mitunter sind wir laut, damit wir gesehen werden. Eventuell gilt das auch für Bäuche.

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