Pfeffer malen

Es ist so vieles denkbar. Ich könnte so vieles offenbaren. Ein bunter Strauß Blumen, ich bin in Farbe getaucht.

Der Lack platzt ab.

Darunter ist ein Stickmuster, willkürliche Struktur.

Neues in Altem. Orte, die ich wieder erkenne. Wie, die Stadtsparkasse, bei der ich mein Konto hatte. Oder der Hugendubel, in dem Andreas und ich eine besondere Ausgabe des Herrn der Ringe gekauft haben, die heute immer noch in meinem Bücherregal steht. Vor allem, weil sie mich erinnert.

Den Laden, in dem ich meine erste Pfeffermühle kaufte, habe ich (noch nicht) gefunden. Schade. Ich hätte der Pfeffermühle daheim, mit der ich mein Leben seit 30 Jahren würze, doch gern einen Schwank aus ihrer Jugend erzählt. Ich habe sie mir nach meinem ersten Monat in München gegönnt, von meinem ersten Gehalt im neuen Job in der neuen Stadt. Sie war für meine damaligen Verhältnisse mit 100 Mark eine echte Investition.

Welche Investition habe ich heute getätigt, die ich in 30 Jahren noch bei mir haben werde?

Die beiden Bücher aus dem Hugendubel? Das grün-pink-gestreifte Tablet für meinen Kaffee auf dem Balkon? Oder die Stadtführung, von der ich mir neue Eindrücke für meine alten Erinnerungen versprochen habe? Die Zeit, die ich mir zum Denken geschenkt habe?

Ich habe heute da weitergemacht, wo ich gestern schon begonnen habe. Ich habe mit Menschen gesprochen, die mir begegnet sind. Random, beim Kaffee trinken und beim Surfer beobachten. Einer davon war Philipp. Ihn habe ich allerdings bezahlt. Er war die gebuchte Tour durch München, Jugendstil und StreetArt.

Eine spezielle Tour, nur für mich. Der Zufall oder das Schicksal oder beide gemeinsam wollten, dass sich nur eine Person zur Führung anmeldete. Ich. Und er ist das mit mir gelaufen.

Er hat angeboten, zu verschieben. Ich habe angeboten, zu stornieren. Gemeinsam haben wir entschieden, zu sehen, wohin es uns führt.

Ein Staunen. Ein Begeistern. Ein Rausch der Fassaden.

Ich laufe gern durch Straßen, Orte, betrachte Häuser, streiche über Mauern, immer auf der Suche nach einem besonderen Moment. Ich nehme wahr, mit Fingerkuppen und mit meiner Kamera. Heute hatte mein Leben so viel Futter, dass ich keinen Hunger hatte.

Wir haben viel gesehen. Auch im Gegenüber. Philipp war ruhend, es war so deutlich zu spüren, dass er tut, was er liebt. Und ich war – überhaupt nicht neidisch. Im Gegenteil, ich habe mich einfach mit ihm gefreut. Für mich war es ein Geschenk, einen Teil meines Tages mit einem Menschen verbracht zu haben, der den Zweifel lässt.

Für mich fühlt es sich an, als könne ich das auch schaffen. Meine Zweifel lassen. Kreativität leben. Bücher schreiben. Workshops für freies Schreiben anbieten. Blumenkunstdruckmanufakturen eröffnen. Besondere Stadtführungen in Darmstadt anbieten. Gastgeberin sein, das, was mir doch eh am allerbesten liegt, neben dem Schreiben. Menschen führen, aber anders als gedacht. Frei, fröhlich, an besondere Orte.

Besondere Events gestalten, in Darmstadt. Die Stadt bunter machen. Mich in Verbindung begeben, mit Menschen, die ich ein Stück begleiten kann und die mich ein Stück begleiten. An Tagen wie heute klingt das für mich, als sei es logisch und völlig selbstverständlich, dass ich das tun werde.

Als male ich bunten Pfeffer.

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