Brokkolirauschen

Zurück im Brokkoli-Universum.

Eine Zecke auf dem Rücken, ein leichter Sonnenbrand, ein eingerissener Fußnagel und immerhin jeden zweiten Tag die Unterhose gewechselt. Ich finde, das ist ein guter Schnitt für sechs Tage Sommerferien-Freizeit.

Zurück im Brokkoli-Modus schnappt der Alltag sich direkt das größte Stück vom Bananenbrot. Es ist unfassbar, in welchem Tempo mein Sohn mein Sein zurück erobert. Mein eigentlicher Booster ist nicht Gemüse. Es sind Chips im Delirium auf dem Sofa bei einer schlechten Marvel-Serie.

Wie schnell kann Liebe einen ermüden?

Ich frage für eine Mutter, die versehentlich sechs Tage einen über den Durst getrunken hat. Sie taumelt noch halb im Vollsuff ihrer Freiheit über den Parkplatz, da ernüchtert sie ein Müllbeutel voll Dreckwäsche.

Die Freizeit ist rum. Für wen das schlimmer ist, für die Mutter oder das Kind, konnte heute noch nicht endgültig geklärt werden. Ich kann aber vermelden, die Mülltüte ist gut daheim angekommen. Sie hatte viel zu erzählen. Es waren wohl zu wenig Socken, dafür aber viel zu viele Unterhosen.

Es war schön. Das Kind ist zutiefst erschöpft und redet trotzdem viel, meist wirr, wechselt dabei sprunghaft zwischen Begeisterung und Empörung. Damit erschöpft es das Elterntier zutiefst und macht es ganz wirr, so dass es sprunghaft zwischen Begeisterung und Durchzug wechselt.

Was hast du gesagt? Ach, der X war die halbe Nacht wach? Und du weißt das, weil du ihm dabei geholfen hast? Wie, der Y wurde abgeholt? Ach so, nein, es war der Q. Der EQ? Oder der IQ?

Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht freue. Es ist absolut schön, so ein irres Wesen nach einer Ferienfreizeit abzuholen. Müde, mit ungekämmtem Haar und besagtem Müllbeutel in der Hand. Das Herz wird ganz weich, wenn das eigene Kind aus einem dieser Busse steigt und man feststellt, es lebt noch.

Es ist nur einfach Hölle anstrengend. Das Kind ist müde. Die Wäsche ist dreckig. Es braucht Gelassenheit und Freude, damit das Kind sein kann, wer es ist. Geborgen. Versorgt. Bananenbrot. Kartoffelgratin, Brokkoli. Ich bin wieder im Game. Ich kümmere mich wieder. Schneide Nägel, entferne Zecken, wasche Wäsche, höre zu, bin anwesend.

Ganz ehrlich, das ist der Part, der regelmäßig verhindert, dass ich eine grandiose Unternehmerin, Autorin, Fotografin oder Pianistin bin. Weil, was das an Zeit und Energie in Anspruch nimmt, dass kann sich niemand vorstellen, der es nicht kennt. Ich hatte auch sechs Tage frei. Ich habe nicht gekocht, wenig Wäsche gewaschen, mich mit Freunden getroffen, sehr viel Nutellatoast gegessen und mein Leben gechillt. Und ganz ehrlich, ich hätte kein Problem gehabt, wenn diese Freizeit in die Verlängerung gegangen wäre. Er übrigens auch nicht.

Morgen lieben wir unser Sein dann wie immer. Die Erinnerung an die kurze Zeit ohne zugewandte Verantwortung währt nur kurz. Sie ist wie ein Rausch. Morgen ist er ausgeschlafen.

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