Spiel, Satz und Sieg – gegen mich selbst.
Mein Hirn liebt Bewegung. Nicht in Form von verzweifelt gegen die Wand rennen, sondern ganz normal. Laufen. Tanzen. Spazieren. Speedminton spielen. Es ist völlig banal egal, was ich tue. Hauptsache, ich tue es. Wenn ich es nicht tue, geht das ein-drei Tage gut, dann fängt es an, sehr unruhig zu werden.
Bewegung ist mein Schlüssel. Ich weiß das. Ich weiß das schon seit langem. Dieser Schlüssel passt einfach optimal an jegliche gedanklich überforderte Zelle in meinem Körper. Ich höre mein Hirn mitunter erleichtert aufatmen. Endlich bewegt sie sich! Das wurde aber auch Zeit!!
Dieses mehr oder weniger sanfte Schaukeln im Hirn ist alles, was ich brauche.
Deshalb habe ich mir heute eine Portion Bewegung in Form von Speedminton im Park gegönnt. Die Wiese erinnerte stark an unseren Urlaub vor 12 Jahren in Kroatien. Da standen wir auf einem Campingplatz, da sah der Rasen genauso aus. Einfach in Hitze vergangen.
Wir sind auch ein kleines bisschen in der Hitze vergangen, K5 und ich, aber tatsächlich war es heute mal unter 30 Grad, also quasi kalt. Die Sonne hat sich in Phasen hinter Wolken versteckt und es gab sogar Millimeter an Niederschlag.
Niedergeschlagen war ich auch, am Vormittag. Schon wieder. Es ist so absurd, weil ich ja weiß, wie ich dieses gefühlte Chaos im Hirn unterbrechen kann. Dafür brauche ich keine Pille einwerfen, es braucht auch kein Antidepressivum, es ist so viel einfacher. Die Wunderwaffe heißt Bewegung.
Es ist nicht, dass ich das nicht verstanden habe. Aber eventuell muss ich es einfach immer wieder aufschreiben, damit ich es endlich umsetze? Es ist so absurd. Ich erinnere Situationen in meinem Leben, an denen es mir richtig gut ging – ja, unglaublich, die gab und gibt es – und sie hängen immer, immer, immer mit Bewegung zusammen. Mit Leichtigkeit. Mit Spiel. Mit Tanz.
Dieser Gedankenturm, von dem ich einen Köpper mache, leicht und sicher und ohne Bauchplatscher.
Dieser Bock, über den ich hocke, kraftvoll und geschmeidig.
Dieses Seil, dass ich hochklettere, geschwind wie ein Affe.
Ich bewundere Menschen, die durchtrainiert und sportlich und erfolgreich sind. Schon immer.
Warum ich das nicht bin? Gute Frage. Ich habe schon als Kind gehört, wie ungeschickt und unsportlich ich sei. Eventuell hat mich das geprägt? Ich glaube, ich glaube das wirklich. Ich wurde sogar von meinem Sportlehrer ausgelacht, weil ich nicht am Seil hochklettern konnte. In die Mannschaften wurde ich immer ganz zuletzt gewählt, man wollte mich nicht im Team – nicht schnell genug, nicht sportlich genug, zu dick.
Jaha, zu dick war ich angeblich auch schon immer.
Erfüllen wir, was uns gesagt wird, was wir sind?
Zu laut, zu dick, nicht sportlich, singt zu hoch. Fällt zu tief. Denkt zu viel. Fragt zu viel.
Bewegend sind diese Erkenntnisse. Neu sind sie nicht. Ich habe mir dieses Wissen über mich selbst in den letzten Jahren mühsam angeeignet. Es hat gedauert, bis ich verstanden habe, wie eng das zusammenhängt. Und das bedeutet leider nicht, dass ich das im Alltag korrekt umsetze. Im Gegenteil. Wenn ich erstmal auf dem absteigenden Ast bin, säge ich noch fleißig weiter, damit das Ding auch wirklich abbricht …
Ich weiß, ich darf mich bewegen. Der nächste Schritt darf sein, es auch wirklich konsequent zu tun. Auch, wenn ich meiner Routinen beraubt bin. Auch, wenn andere Dinge gerade verlockender sind. Es braucht jeden Tag eine kleine Runde. Spazieren gehen. Dehnübungen. 15 Minuten You-Tube-Videos mit Zwerchfellatmung. Anything. Aber es muss stattfinden.
Ob ich mir das jetzt endlich mal hinter die Ohren schreibe?
Gibt es irgendetwas, das wichtiger ist, als ich es für mich bin?

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