der Sommerfrust schmilzt

Liebes Tagebuch, heute bin ich glücklich!

Ich bin geschwommen, vom SUB gefallen, nicht wieder zurück aufs SUB gekommen und konnte herzhaft darüber lachen. Trotz Bauch im Bikini.

Kaum zu glauben, dass ich mich jahrelang selbst kasteit habe, weil ich ja viel zu dick bin für den Sommer. Sommer, das ist, wenn jeder sieht, das meine Oberarme winken, auch wenn ich niemanden begrüßen möchte.

Jahrelang habe ich Badeanzüge getragen, zuletzt mit einer extra Raffung am Bauch, die kaschierend wirken sollte. Haha. Als könne man im Badeanzug auch nur im Ansatz einen Bauch kaschieren. Unter welchem imaginären Pulli will ich den denn verstecken?

Genau, unter gar keinem und in Zukunft auch nie wieder. Heute konnte ich der grammatikalischen Zusammenführung zweier Substantive beiwohnen. Ich habe einen Bikini. Ich habe eine Figur. Dementsprechend ist die Bikinifigur ein dehnbarer Begriff. Was heißt das schon, einen Bauch zu haben. Man stelle sich vor, ich hätte keinen! Das sähe erst seltsam aus!

Viel spannender als die Frage, wie viel Bauch in einen Bikini passt, ist die Frage, warum ich nicht zurück aufs SUB gekommen bin. Darauf habe ich eine Antwort, an der ich arbeiten will. Mir fehlt die Kraft im Rumpf und in den Armen. Immer noch. Nachdem mein Sohn und der Sohn meiner Freundin problemlos wieder aufs Bord geklettert sind, blieb mir nur, mich hinten ans SUB zu hängen und meinen Beinschlag zu trainieren.

Das war ein schönes Training. Ich hätte aber lieber meine Bauchmuskeln und meinen Core AUF dem SUB trainiert. Nach Möglichkeit stehend.

Ich kann vermelden, ich konnte mich jedenfalls während der Fahrt aufstellen! Ohne dass der untere Rücken geschimpft hätte und auch mit genug Kraft in den Oberschenkeln. Damit bin ich bereits ein gutes Stück kräftiger als früher. Es war eine wacklige Angelegenheit, aber ich stand, gemeinsam mit meinem Sohn. Das Problem war dann nur, dass ich dachte, ich könne einen Schritt nach vorne machen. Das konnte ich schon – aber es war dann eher ein Schritt zur Seite samt Platsch. Wir gingen alle drei von Bord.

Was allgemein zur Erheiterung und zu einer erfreulichen Erfrischung führte. Ich konnte darüber lachen. Auch darüber, nicht zurück aufs SUB zu kommen. Zurück aufs SUB ist das Ziel für nächstes Jahr. Weil, ich kann meine Kraft weiter ausbauen. Meine Kraft und meine Ausdauer. Beides erscheint mir sinnvoller, als mir weiter Gedanken darüber zu machen, dass ich ja dick aussehe im Bikini.

Ich habe das Gefühl, dass mein alljährliches „alles ist Scheiße im Sommer“ dieses Jahr wirklich baden geht. Dieses Gefühl ist definitiv vom SUB gefallen und es darf auch einfach unten bleiben. Zurück aufs Bord möchte nur eine ältere jüngere Frau, die sich in schlecht sitzender Unterwäsche wohl fühlt und einfach den Sommer genießen will.

Es war wirklich ein unvergleichlich schöner Tag heute! Irgendwie fast der schönste Tag des Sommers bisher. Ein Tag wie im Urlaub, mit Kind und guten Freunden unterwegs. Herrlich frei. Als würden die Begrenzungen im Kopf sich bei der Hitze einfach ergeben. Wäre gut, die schmelzen, und falls sie mein Bauchfett auch mitnehmen wollen, ich stehe dem jedenfalls nicht mehr im Weg.

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