Beziehungsweise, sie fahren mit der Bahn.
Ich hatte heute gleich drei Hingucker im Gepäck. Eine 1. Eine 8. Und ein Lama mit Schnurrbart.
Ich selbst habe das sehr gefeiert. Ich liebe Auftritte in XXL. Dass ich beim Gedanken daran, auf einer Bühne zu stehen und zu sprechen, ganz schrecklich Atemnot bekomme, kann ich mir selbst kaum glauben. Würde man mich aber einfach mit einer 18 auf die Bühne stellen und die Aufgabe wäre, breit zu grinsen, dann könnte ich das problemlos! Vielleicht wäre ich die Richtige für das Vorturnen der Sicherheitswesten im Flieger?
Jedenfalls, ich habe das vorhin in der Stadt sehr genossen. Ich hatte die volle Aufmerksamkeit mit meiner goldigen Ausstrahlung. Es war offensichtlich, hier wird das Leben gefeiert. Ich hatte ein fettes Grinsen im Gesicht und das habe ich mit allen geteilt, die mir die Türen aufgehalten haben. Ich kleiner Sonnenschein.
Wie sie mir da so gegenüber saßen, die beiden großen Ziffern und das kleine Lama, da dachte ich mir, kann alles nicht wahr sein. Vor 18 Jahren wusste ich natürlich noch nicht, was mich erwartet, aber es war schwer zu übersehen, dass sich in Kürze Kind Nummer vier auf den Weg machen würde.
Ein Schelm. Ein Schatz. Ein Goldstück. Lieblich und angenehm. Morgen dann offiziell erwachsen. Tatsächlich hatte ich das beim Aussuchen der Strampler nicht auf dem Schirm. Dass er denen mal entwachsen würde. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht, was sein würde. Ich lebte diesen Augenblick und seitdem viele Augenblicke.
Vergangenheit und Zukunft betrachte ich nur selten. Sie begegnen mir, sie laden mich auf kleine Rundflüge ein, mal bin ich sentimental und gerührt, mal eher besorgt und verängstigt. Beide Zustände haben keine Dauer. Und das ist gut so. Natürlich müssen wir über die Zukunft nachdenken – sie gestaltet sich nunmal in dem, was wir heute tun. Ebenso braucht es den Blick in die Vergangenheit, um aus dem Erlebten zu Lernen.
Ich bin nicht die mit dem langfristigen Lebensentwurf. Ich werfe lieber täglich neu den Köder aus. Als ich gekündigt wurde, war mein erster Gedanke: auf gar keinen Fall ein IT-Dienstleister! Davon habe ich jetzt wirklich die Nase voll!
Und was passiert? Ja, heute kam der Anruf, ich bin eingeladen in die zweite Gesprächsrunde. Und ja, ich will diesen Job. Und ja, egal, dass das ein IT-Dienstleister ist. Oder – was ein Glück, dass das ein IT-Dienstleister ist, die verstehe ich ziemlich gut. Da kann ich für die Zukunft anwenden, was ich in der Vergangenheit gelernt habe und muss nicht über Mustererkennung Anwendungen in einer neuen Branche suchen.
Das hat Vorteile.
Eine gelebte und reflektierte Vergangenheit hat Vorteile für eine bewusste Zukunft und in beidem gestaltet sich die Gegenwart.
Eine Gegenwart, in der ich einen Mittagsschlaf machen wollte und dafür bereits auf dem Sofa Platz genommen hatte. Und dann klingelte das Telefon und in der Leitung war eine sehr fröhliche Recruiterin, die mir mitteilte, dass man mich gern ins zweite Vorstellungsgespräch einladen wolle. Danach war kein Gedanke mehr an einen Mittagsschlaf – danach war Adrenalin.
Ich fühl das alles so! Geburtstag! Job! Hier ist was los! Alles bereitet sich vor, alles läuft. Ich bleibe voll im Vertrauen, auch darauf, dass die Ballons die Hitze gut vertragen haben und heute Nacht in Ruhe im Keller chillen. Damit sie morgen den Tag in goldenen Glitzer tauchen.
Ich gehe derweil früher ins Bett. Jeden Tag etwas früher. Damit ich morgen topfit bin, für die große Sause.
18. Ein ganz besonderer Geburtstag, denkt man. Zusätzlich zum eigenen 18. Geburtstag, an den ich mich gerade erstaunlicherweise nicht erinnern kann, feiere ich jetzt schon die vierte 18 mit meinen Kindern 💚
Und die erinnere ich Alle 💚

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