die Vorstellung

Das muss man sich mal vorstellen, ich habe eine neue Limonade mit Wassermelonengeschmack gefunden, die farblich knallt und dabei auch noch gut schmeckt! Und das ganz random, einfach so. Quasi als Vorstellungsgesprächsvorbereitung. Andere scannen nochmal die Website der Firma, ich gehe mit meinem Sohn spazieren. Eine Container-Tour. Bewaffnet mit Altglas und Altkleidern. Und dem Wunsch, beim Späti einzukehren um herauszufinden, ob die Lieferung der Panini-WM-Sticker angekommen ist.

Ich kann mitteilen: es gibt wieder Sticker!

Außerdem gibt es Limonade von Paloma mit großartigem Design in Pink und Grün! Mein Anker für heute, für dieses Vorstellungsgespräch.

Meine Vorstellung eines optimalen Vorstellungsgesprächs ist übrigens simpel. Es sollte laufen, wie ein wirklich gutes Meeting. Also, mit Herz und Hirn, einer guten Limonade und dem Gefühl, ich kann sein, wer ich bin. Ich darf laut denken. Ich darf überhaupt denken. Das ist ja nicht in allen Unternehmungen gewünscht, dass Menschen denken.

Die gute Limonade ist natürlich zweitrangig. Es könnte auch ein Kaffee sein, der Lieblingsstift, ein Brillenetui oder ein Stressball. Was auch immer als Anker dient. Falls man einen braucht.

Ich war heute aufgeregt! Ja, so richtig gut aufgeregt. So diese Form von Aufregung, bei der ich spüre, dass mir etwas wirklich wichtig ist.

Die Form von Fokus, die ich nur habe, wenn ich mich verbunden fühle, mit einer Aufgabe, einer Situation, mit meinem Leben. Relevant. Ein richtig gutes Gefühl und dabei dennoch schwer auszuhalten. Meine heute gewählte Lösung mit dem Spaziergang direkt vor dem Gespräch war einfach gut. Es hat mich runtergebracht, mit meinem Sohn herumzualbern, mit dem Typ im Späti ein gutes Gespräch zu führen, Limonade und Sticker zu kaufen. Simpel.

Simplizität ist übrigens in meiner Wahrnehmung das Gegenteil von Einfach. Wenn Prozesse wirklich einfach sind, haben sich meist vorher viele Menschen viele Gedanken gemacht. Oder gar keine. Das kommt auch vor.

In meiner Vorstellung läuft ein optimales Vorstellungsgespräch einfach unkompliziert, und genau so war das heute auch. Vier Menschen, ein virtueller Raum. Ein Hallo und zu Beginn direkt ein herzhaftes Lachen. Alle stellen sich vor, nicht nur ich mich. Und dann kommt direkt Butter bei die Fische, inklusive aller W-Fragen. Ich hatte das einfach gute Gefühl, im Austausch mit meinen Teamkollegen zu stehen.

Ich habe jetzt eine gute Vorstellung von dem Job, der hier als Gewinn ausgeschrieben wird. Ist schon so, dass ich gern eine Fortsetzung des Gespräches wünsche, weil noch nicht alles gesagt ist. Und ich denke, auch nach zwei Jahren wird noch nicht alles gesagt sein. Wenn man mich so lange reden lässt.

Weil, geredet habe ich. Zum einen, weil ich aufgeregt war. Zum anderen, weil ich etwas zu sagen hatte. Vor allem, weil der Funke übergesprungen ist, und wenn Larissa in einen Zustand von Begeisterung gerät, dann kann man sich wohl vorstellen, dass sie diese Begeisterung nicht für sich behält. Wäre auch verschenkt. Ich finde ja, gute Emotionen sollte man teilen.

Ob andere das auch so sehen? Ob ich eventuell zu begeistert war? Oder zu eindeutig? Ob ich mich besser etwas rar gemacht hätte, anstelle zu sagen, dass ich Bock auf den Job habe? Wer weiß das schon.

Meine Erfahrung sagt, so ein Vorstellungsgespräch ist der erste Schritt zu einer Zusammenarbeit. Warum sollte ich in diesem Gespräch so tun, als sei ich jemand anders? Wem hilft das, wenn ich mich und meine Gedanken zurück halte? Wir wollen doch Menschen einstellen, die wir einschätzen können und von denen wir denken, die passen zu uns. Wen wir das vorspielen, hat es garantiert ein Nachspiel, und das wird meist teuer. Menschen, die in der Probezeit gehen, das ist jenseits dessen was wir uns vorstellen.

Also, die falsche Vorstellung kostet das Unternehmen Geld. Immer. Deshalb bin ich einfach so, wie ich bin. Was soll das auch, so zu tun, als sei ich eine andere. Meine Vorstellung von einem guten Arbeiten ist auch, mich zeigen zu können wie ich bin. Ein Traum, wenn das hier klappen würde, weil das Unternehmen genau das mitbringt. Eine wunderbare Vorstellung, dort zu arbeiten.

Ob diese Übung gelingen wird?

Die nächste Übung wird nochmal sein, im Vertrauen zu bleiben. Weil ich erneut warten darf. Nach mir kommen noch 2-3 Gespräche mit anderen Menschen und erst danach wird entschieden, wer in die zweite Gesprächsrunde kommt. Ich denke, wenn sie mich nicht einladen, kann ich ihnen auch nicht helfen. Also, wirklich nicht, weder in echt noch im übertragenen Sinne.

Ich rechne mit einer Rückmeldung im Laufe der kommenden Woche. Das ist okay. Ich kann mit Unsicherheiten leben. Ich lenke mich einfach ab! Tagesausflug morgen, herumwuseln am Sonntag, erste Schritte raus aus den Sommerferien am Montag, Einschulung von K5 in die weiterführende Schule am Dienstag, 18. Geburtstag von K4 am Freitag … Ich habe dankbarerweise viel zu tun, das wird mich davon abhalten, kompliziert zu werden. Es wird, sagte Steffen. Daran glaube ich weiterhin.

Auch, weil es keine schöne Vorstellung ist, dass es schief gehen könnte. Deshalb stelle ich mir das nicht so intensiv vor. Sollte es so kommen, kann ich das immer noch Scheiße finden. Bis dahin kann ich feststellen, dass ich heute ein tolles Vorstellungsgespräch hatte, in dem ich mich gefühlt habe, als arbeiteten wir schon miteinander. Ich hatte ein gutes Gespräch und habe nebenbei noch eine leckere neue Limonade entdeckt. Das ist doch eine tolle Sache!

Wie es weitergeht, nun, ich vermute, ich werde einfach darüber schreiben. Kann man sich kaum vorstellen …

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