diese Dankbarkeit

Diese Dankbarkeit, manchmal überrascht sie mich. Ich bin auf dem Heimweg, nach einem sehr entspannten Vormittag mit einer Freundin im Café. Wir haben gefrühstückt, gelacht, geredet. Wir haben uns davor drei oder vier Jahre nicht gesehen. Sie ist mir am Montag auf diesem Konzert mit Pfund begegnet und hat mich sofort erkannt. Geht doch 🙂

Ich laufe also eben nach diesem sehr schönen Vormittag nach Hause, mit einer Wassermelone im Arm. Und auf einmal fühle mich innerlich ganz warm. Nicht wegen der 30 Grad draußen und nicht, weil die Wassermelone mich schwer tragen lässt. Nein. Wegen diesem dankbaren Gefühl, das unangekündigt in mir hochwallt: dass ich eine Wassermelone trage. Dass ich ein Heim habe, in dem ich mich wohl fühle. Dass ich einen Ort habe, an dem ich Zuhause bin.

Über Jahre war ich unfähig, mich dankbar zu fühlen. Auch entsprechende Bücher, Affirmationen und sonstige Bemühungen haben daran nichts ändern können. Ja. Ich bin dankbar, dass ich lebe. Ja. Ich bin dankbar, dass es meinen Kindern gut geht. Ja. Verdammt. Natürlich bin ich das. Es wäre ja auch anmaßend, es nicht zu sein?

Aber fühlen. Wie eben. Einfach laufend zu fühlen, hier bin ich daheim. Es ist gut, wie es ist. Das ist mein Rückzugsort, mein Daheim, es geht mir gut. Dieses warme Gefühl, es ist nur selten mein Gast. Wenn es vorbeikommt, dann immer unerwartet und umfassend, es schwappt durch mich hindurch wie eine Hitzewelle in den Wechseljahren. Nur deutlich angenehmer. Mir bricht nicht der Schweiß aus, aber manchmal die Tränen. Ich habe vergessen, wie sie sich anfühlt, diese Dankbarkeit. Wenn sie dann da ist, hält sie mir kurz den Atem an.

Das Gefühl verschwindet leider meist so schnell, wie es gekommen ist. Es hält sich gern verdeckt. Ich fühle den Schabernack, den es mit mir treibt. Es lässt sich nicht zwingen, es lässt sich nicht in Routinen pressen, es kommt, wenn es Lust dazu hat. Es ist sehr mein Gefühl und verhält sich auch entsprechend.

In dieser Intensität ist es großartig, wenn ich einen Moment zur Ruhe kommen kann um der Dankbarkeit Raum zu geben. Der Plan für jetzt war, nur die schwere Wassermelone abzulegen und direkt die restlichen Einkäufe zu tätigen. Ich habe mich spontan umentschieden und schenke dem Gefühl lieber Worte. Weil ich weiß, wie flüchtig es ist. Es kann gut sein, dass ich mich nachher leer und schwer fühle und dann ist es tröstlich, wenn ich lesen kann, dass es Stunden vorher anders war.

Bei mir folgen auf sehr glückliche Momente, in denen ich mich mit meinem Leben, dem Sein, meinem Umfeld sehr verbunden fühle, regelmäßige gegensätzliche Momente, denen alles Glück fehlt. Ich stolpere dann und fühle weniger. Als sei ich erschöpft und müde von zu viel Verbundenheit, als strenge die Dankbarkeit mich an. Als sei ich diese leichten Glücks-Blubber nicht geübt.

Eventuell ist diese Dankbarkeit ein Muskel und braucht Training. Immer wieder. Rausgehen, erleben, zulassen. Ausruhen. Aushalten. Atmen. Repeat.

Diese Dankbarkeit, wie ich sie eben fühlen konnte, ist etwas besonderes, ein reines Gefühl. Sie ist echt. Ich bin dankbar, ihr heute begegnet zu sein und freue mich, dass ich ihr ein paar Worte schenken kann. Liebe Dankbarkeit, wie schön, dass du mich besuchst! Bitte verzeih, dass ich dich früher gehasst habe. Ich kannte dich einfach nicht. Meine Eltern haben mir geprügelt, dass ich dankbar sein soll für das, was ich habe. Ich konnte dich nicht fühlen, der Gürtel tat so weh.

Du lässt dich nicht zwingen. Es ist so leicht, zu sagen, sei doch mal dankbar. Wer nicht fühlen kann, verzweifelt an einer Aufforderung, die sich wie eine Anmaßung anhört. Sei doch dankbar. Danke. Für was? Für die übergriffige Aufforderung?

Diese Dankbarkeit, sie kommt in kleinen Momenten, für eine kurze Zeit. Manchmal füllt sie mein Herz auch schon für eine halbe Stunde oder länger. Sie wächst, weil ich sie nicht zwinge. Diese Dankbarkeit ist ein freiwilliges Geschenk meiner Chemie. Meines Hirns. Meiner Hormone. Meiner verbundenen Nervenzellen. Danke, lieber Körper, dass du wieder diesen Cocktail für mich mischen kannst. Wenn du soweit bist, schick mir gern das Rezept.

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