Es geht mir besser. Ich habe einen Grill gekauft.
Warum? Naja, weil ich noch nie einen hatte. Es war irgendwie an der Zeit. Wo ich doch gerade den Balkon aufräume, die Waschbetonplatten händisch vom Moos befreie und die Balkonbrüstung mit der Drahtbürste schrubbe. Da wäre es auch schön, wenn wir in Zukunft halbwegs professionell auf dem Balkon grillen können und nicht mehr nur in der Glut herumstochern.
Das neue Sofa ist inzwischen komplett samt Lieferung über Verkäufe bei Kleinanzeigen finanziert. Jetzt braucht es ein neues Kleinanzeigen-Ziel und das ist: ein Grill. Ungefähr 1/6 der Kosten habe ich auch schon eingenommen. Den Grill habe ich einfach jetzt schon gekauft – wir brauchen ihn ja auch jetzt und nicht erst im Dezember. Eine schöne Ausrede, um Dinge zu tun, die eventuell nicht wirklich notwendig sind.
Kaufen hilft, jedenfalls stellt es sich gern so dar. Ich gehöre zu den Menschen, die Kaufen früher sehr intensiv als Ventil genutzt haben. Ich habe gekauft, wenn ich unsicher war, wenn ich traurig war, wenn ich das Gefühl hatte, mich belohnen zu müssen. Frei nach dem Motto, ich arbeite doch hart, da muss ich mir auch was leisten können.
Heute merke ich, dass ich manchmal immer noch in diese „Kauf-Fallen“ tappe. Gerade dann, wenn es mir nicht so gut geht, ich mich selbst stark abwerte, dann gebe ich schneller Geld aus. Hier noch eine schöne Postkarte, dort noch ein schöner Teller, und die Socken, die sehen doch witzig aus!
Ich bin schon froh, dass ich kein Faible für Schmuck oder Autos habe, das wäre sonst tragisch. Aber auch Kleinvieh macht Mist, und wenn ich mir anschaue, was ich im vergangenen Jahr alles gekauft habe, weil ich es konnte, da fällt mir wenig zu ein, außer: naja, musste auch mal sein?
Gestern und meine Stimmung, das musste eventuell auch mal sein? Ich hatte am Samstag einen sehr starken Moment von wirklich guten Gefühlen, ich habe darüber geschrieben. Und dann ist das wie damals, wenn ich in der Depression mal einen guten Tag hatte. Es folgten meist 2-3 abgrundtief schlechte Tage. Das wurde mit der Zeit besser, bis zu dem Punkt, wo ich auch mal zwei oder drei gute Tage am Stück haben konnte. Ohne Gong.
Vielleicht ist es mit diesen sehr tiefen, schönen Gefühlen ähnlich. Ich darf das üben. Ich bin und bleibe immer mit einem Fuß in diesem Morast, die Depression fühlt sich bei mir sichtlich heimisch. Sie hat sich eingenistet und schläft ganz weit außen, so am Rande des Nervensystems, in der hinteren Ecke. Und ab und an kommen Reize bei ihr an, die sie aufwecken. Darauf reagiert meine Depression sehr angestrengt, Ruhestörung findet sie unnötig, sie schimpft dann lauthals los, ist gereizt und verkrampft.
Es ist wie es bleibt. Ich habe gute Tage, manchmal wochenlang. Aber die aktuelle Situation mit der Arbeitslosigkeit und meiner dezenten Antriebslosigkeit, was meine berufliche Neuorientierung angeht, das ist schon ein guter Nährboden für Spontankäufe. Da kann es auch mal ein Grill werden. Weil ich ja genau dafür gerade gar kein Geld habe. Genau deswegen muss ich es ausgeben! Es muss!
Ich kann ansonsten mitteilen, dass ich mich heute morgen besser sortiert habe. Ich habe intensiv eine Stunde auf dem Balkon gearbeitet und geräumt, bin dann mit K5 einkaufen gegangen, habe gekocht und unseren Ausflug am Nachmittag vorbereitet. Und gegen 17 Uhr sind wir an den See gefahren, und K5 ist eine Runde mit seiner Patentante und dem SUB über den Langener Waldsee gepaddelt. Es war ein sehr schöner Abend in bester Gesellschaft und entsprechend geht dieser Tag deutlich freundlicher ins Bett als der Tag zuvor.

Schreibe einen Kommentar