Sich. Selbst.
Bleibe ich bei mir und beobachte ich mich selbst im Guten, dann falle ich auf. Es ist nicht alles gut, was gut aussieht. Es ist nicht alles gut, was gut gemeint ist. Es ist nicht alles gut, was glänzt. Oder glitzert. Oder nach Schokolade schmeckt.
Tu dir mal was Gutes! Genieß doch, dass du mal Zeit hast, dir Gutes zu tun.
Was, wenn dein Gutes nicht mein Gutes ist?
Was, wenn wir nicht wissen, was gut für uns ist? Oder wie viel?
Ein toxisches Gut.
Kleines Beispiel von zwischen den Jahren. Diese Zeit, die mich jedes Jahr wieder erstaunlich anstrengt. Sie ist voller Zauber, voller Krümel, zuckersüß, klebrig, still, langsam, sie dreht sich morgens im Bett nochmal um und blubbert friedlich. Jedenfalls hier. Ich backe unsere Plätzchen meist kurz vor Weihnachten (auch im vergangenen Jahr roch unser heiliger Abend nach frischen Vanillekipferln), und wirklich in Ruhe genießen wir die gebackene Kunst ab Weihnachten, zwischen den Jahren und die ersten Tage im neuen Jahr.
Es gibt die Kerzen, den Tee, den Milchschaum, die schönen Teller, den Genuß, die Bücher, die gelesen werden, die Zeit mit den Kindern, den Ausstieg aus dem Alltag. Die Ruhe. Das Ausschlafen. Die Musik. Ich höre nochmal bewusster unsere Playlist des Jahres und es ist schön. All das ist wirklich schön.
Es ist gut. Es wird von Jahr zu Jahr besser. Es gab Jahre, da waren Weihnachten und Silvester und die Zeit dazwischen eine leere Katastrophe, ein Akt der Verzweiflung, gespielt im Kasperletheater. Schwer.
Das wird besser. Es wird immer besser. Es ist schon gut!
Und dann lasse ich es mir also endlich richtig gut gehen! Ich lasse mich endlich mal so richtig gut gehen! Ich habe Urlaub. Ich esse. Ich nasche. Ich ruhe. Ich gehe aus und einander. Es gibt von all den guten Dingen, mit denen es sich Menschen gerne gut gehen lassen, zu viel. Zu viel des Guten kann wunderbar sein. Oder genau das Gegenteil.
Keine Struktur. Keine Hektik. Kein „ich muss noch“. Ganz viel „heute lasse ich es mir gut gehen“. Bei mir bedeutet das – Schokolade und Plätzchen, viel Fernsehen, viel Spielen, wenig Bewegung. Viel Zeit, die vorüberrauscht. Mehr Nudeln. Weniger Gemüse. Mehr Butter. Weniger Kichererbsen.
Und dann passiert, was ich meine – ich kenne mein Maß. Immer. Noch. Nicht. Ich lasse es mir so unendlich dolle gut gehen, dass ich innerlich unruhig werde, meine Haut vermehrt juckt, ich lethargisch werde. Die Zutaten meiner Depression sind süß.
Ich tue mir immer noch nur schwer wirklich gut.
Weil, gut tun, das ist geplante gesunde Ernährung. Das sind Kichererbsen und Bewegungseinheiten, Sport, Spaziergänge. Das ist Singen und Tanzen. Schokolade und Zucker tun mir erstaunlich wenig gut.
Wie gut, dass ich das immer besser verstehe!
Das vermeintlich Gute, dass wir uns tun, diese Entspannung in Süß oder, schlimmer, in Alkohol, ist Verblendung und Verzerrung. Wir tun uns nichts Gutes, wenn wir das ständig machen. Mal. Einen Abend. Einen Tag. Aus der Reihe. Besonders. Besonders macht es besonders gut.
So, wie es früher nur an Sonntagen Fleisch und Erdbeeren nur im Frühsommer gab und wir eine Woche warten mussten, bis die Fortsetzung der Serie im Fernsehen kam. Wir bekommen Erdbeeren auch an Weihnachten zum Schokofondue. Und können jeden Tag Fleisch essen. Die Serien auf Netflix suchten wir an einem Tag durch.
Ob das damit gemeint ist, dass wir es uns gut gehen lassen?
Ich wachse weiter. Ich glaube, ich werde es zwischen den nächsten Jahren schaffen, mir mehr von diesem Gut einzuplanen, das länger hält als eine Zuckerspitze mit Insulin. Ich liebe Süßes. Ich liebe es, es mir gut gehen zu lassen. Aber nicht mehr drei Wochen am Stück, um dann langsam und mit schmerzenden Gelenken aus dem Tief herauszukrabbeln und zurück zu finden, in einen achtsamen Alltag voller Kichererbsen. Die Pause tut mir gut, wenn ich sie sinnvoll gestalte. Ich versuche, mir das gut zu merken!

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