Am Frühstückstisch sitzend, noch den Quark offen vor mir, den Kaffee gerade ausgetrunken, denke ich darüber nach, wie das wohl wäre. Imagine, ich hätte jeden Tag einen guten Tag. Zum Glück ist der Kaffee schon leer, sonst würde ich mich eventuell glatt vor Schreck verschlucken.
So ein anmaßender Gedanke!
So ein schöner Gedanke!
Draußen zwitschern allerlei mutige Vögel und auf dem Weg zum Bäcker habe ich drei Zitronenfalter gesehen. Gleich drei Stück! Schmetterlinge werden immer weniger. So wie meine guten Tagen. Die werden auch immer weniger.
Wie das wohl wäre, wäre die Welt voller Schmetterlinge und fröhlicher Larissas? Wäre es ein besserer Ort? Also – für mich und die Kinder in jedem Fall. Vielleicht hängt es auch zusammen, ich bin da unsicher. Schmetterlinge machen mich sehr fröhlich, Marienkäfer auch. Sehen tut man die nur noch selten. Also wäre folgerichtig der Ansatz:
Was kann ich tun, damit es mehr Schmetterlinge gibt?
Frei nach dem Motto, bringe mehr in dein Leben, dass dich glücklich macht. Aktuell probiere ich das ja (noch) mit Essen, und fatalerweise funktioniert das nicht. Wobei es Reserven für schlechte Tage aufbaut, immerhin das. Sollte eine Hungersnot hereinbrechen, halte ich eine Woche länger durch als Andere. Keine Ahnung, so richtig tröstlich finde ich das nicht.
Also, Fokus aufs Glück?
Die letzten Tage waren eher schwere Tage – eigentlich seit diesem Stresstest im Mai mit Konferenz veranstalten, Geburtstag feiern, Küche renovieren. Das war geballt viel Arbeit und eine Art Stresstest, um zu sehen, wie belastbar ich aktuell bin. Wenn ich mir die Müdigkeit im Anschluss ansehe, stelle ich fest, dass ich mich überfordert habe. Einmal mehr. Ich denke immer noch, ich sei 21 Jahre alt, scheint es. Ich denke immer noch, dass ich am Fließband gut drauf sein kann.
Am gut drauf sein hängt dann halt auch so viel. Die Kinder, die dann auch gut drauf sind, die Stimmung allgemein daheim und die Stimmung im Job. Ich kann Welten bewegen, wenn ich gut drauf bin. Mir einem Lächeln. Aktuell bewegen mich eher die Welten …
Die Vorstellung, voll in meiner Kraft zu sein, körperlich und mental, ist verlockend. Sie ist, wie barfuß über eine Blumenwiese zu springen, ohne von einer Biene gestochen zu werden. Sie ist, wie im Sommerkleid im Wind zu stehen und laut zu juchzen. Sie ist, wie in einem See in Schweden zu schwimmen, ganz allein. Sie ist, wie erschöpft einschlafen nach einem Aufguß. Verdammt schön halt. Daher lautet die eigentliche Frage nach den Schmetterlingen so:
Was kann ich tun, damit es mir gut geht?
Schmetterlinge können ja dazugehören.
Ich habe im Mai gelernt – ich kann performen auf der Arbeit, und zwar richtig gut. Ich kann meinen Geburtstag vorbereiten und es genießen, mit Freunden auf dem Balkon zu sitzen. Ich kann meine Küche renovieren – von der Küchenplanung bei Ikea, die im März begonnen hat, über die Kreditanfrage über die einzelnen Gewerke wie Kisten packen, Küche rauskloppen, streichen, Anlieferung betreuen, Aufbau der Küche begleiten und Kisten wieder ausräumen. Das war keine leichte Aufgabe. Es war sogar die Aufgabe, die am herausfordernsten war. Und ich habe sie gut bewältigt!
Mir ist rational betrachtet vollkommen klar, dass es normal ist, nach so einem Berg von Arbeit erschöpft zu sein. Es ist absolut kein Wunder, dass ich müde bin und Erholung brauche. Ob das für Arbeitgeber so schön ist, dass Angestellte so einen Quatsch wie eine Renovierung machen, weiß ich nicht. Aber so ist es halt. Ich habe ja gearbeitet. Ich hatte nur schon bessere Tage. Aber die nicht so guten Tage und dieses müde sein – ich darf endlich auch im Kopf akzeptieren, dass das dazugehört. Dass ich nicht mehr endlos Kraft habe. Dass ich nicht mehr 21 Jahre alt bin. Dass ich mehr Pausen und mehr Ruhe brauche. Noch fühlt sich das oft nach Versagen an. Ich bin sehr leistungsorientiert geprägt worden und kann dieses „ich bin nicht gut genug, wenn ich ausruhe“ nur schwer abschalten. Aber ich kann berichten, an der Stelle übe ich weiter. Und faul sein wird immer einfacher.
Ich freu mich jedenfalls, dass die Gedanken in Richtung „wie kann ich mir selbst helfen“ gehen und sich nicht weiter in Schokolade verkriechen wollen. Vielleicht kommt jetzt eine bewusste Phase mit gesundem Essen und viel Bewegung? Zu wünschen wäre es mir. Und natürlich wäre es toll, wenn meine Phasen keine Phasen, sondern dauerhafte Routinen in einem ausgeglichen fröhlichen Leben wären. Aber beim Wunschkonzert sind wir halt nicht, und von daher bin ich heute einfach mal dankbar, dass ich Schmetterlinge gesehen habe, ein großartiges, gemütliches Frühstück hatte, meine Kinder gesund sind und wir alle zusammen bald in Urlaub fahren und dass ich mir erfreut Gedanken dazu mache, was ich tun kann, damit ich glücklich bin. Das ist doch ein guter Start. Ich glaube, ausruhen gehört ganz bestimmt mit dazu!
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