Mit 17 stellte ich fest, dass ich später keine Kinder bekommen möchte.
Es war ein Samstag und ich saß mal wieder mit ein paar Freundinnen auf den Treppen in der Gemeinde. Als Internatsschüler war es unsere Pflicht, samstags an den Gottesdiensten teilzunehmen. Wir hatten uns soweit eingefunden, dass wir zumindest vor dem Gemeindesaal saßen.
Für die kleineren Kinder gab es immer einen Kindergottesdienst mit Malen, Basteln und Bibelgeschichten erzählen. An diesem Samstag gab es eine zeitliche und räumliche Überschneidung von Kindern, deren Betreuung vorbei war und einem Gottesdienst, der in den letzten Zügen lag. Dazwischen saßen wir. Binnen weniger Minuten wurde aus ein paar coolen Teenager-Mädchen, die lässig gechillt und ätherisch unantastbar auf der Treppe saßen, ein krasser Tumult. Ein Turnen und Klettern und Rangeln über uns Teenager-Mädchen hinweg.
Die Kids waren gut gelaunt, lebendig, fröhlich, albern, laut, also wirklich ätzend anstrengend. Wir wollten uns in Ruhe unterhalten, stattdessen mussten wir aufpassen, dass sich die Kids nicht purzelbaumartig die Treppe hinab bewegten.
Ich war damals schon mit dieser Anziehungskraft gesegnet, die katzenhassende Menschen auf Katzen haben. Katzen gehen erstaunlich oft genau zu den Menschen, die den Kontakt zu ihnen nicht aktiv suchen. Kinder tun das auch. Ich war eher so „geht alle weg hier, ihr Nervkröten“. Die Kids waren eher so „haha, das ist aber eine nette Tante“.
Meine Freundinnen fanden es amüsant, dass gerade ich so begehrt bei den Kids war. Ich hingegen fand das weniger amüsant und erinnere, dass ich ziemlich deutlich geflüstert habe, später in keinem Fall Kinder bekommen zu wollen. Das sei mir viel zu anstrengend, man müsse sich ja durchgehend kümmern und hätte keinen Moment Ruhe.
So ganz unwahr ist das nicht. Ich habe mich inzwischen um eine Menge Kinder gekümmert und hatte dabei wenige Momente Ruhe. Ruhe kommt jetzt langsam rein, wo mein jüngster Sohn schon 11 Jahre alt wird. Er redet noch viel und ab und an turnt er auch noch auf mir herum. Im Großen und Ganzen schafft er es aber inzwischen allein auf der Treppe. Ich kann viel weniger auf ihn aufpassen.
Meine Entwicklung auf dieser Treppe geht von „ich will in keinem Fall Kinder“ zu „man stelle mir gern ein Baby in einem Körbchen vor die Tür“.
Meine Anziehung auf Kinder ist mir geblieben. Sie wollen aus irgendeinem Grund gern zu mir. Vielleicht auch, weil ich so ehrlich bin und sage, du, jetzt reicht es mir aber. Das ist mir zu anstrengend. Nein, ich möchte nicht dein Punching-Ball sein. Ja, ich lese dir gern was vor. Warum? Na, weil Kinder dann meist ruhig ist, ist doch klar.
Das Thema Kinder, die ohne Betreuung auf Treppen herumturnen ist mir heute wieder begegnet. Eigentlich begegnet es mir ständig, sowohl im echten Freundeskreis als auch in den unechten sozialen LinkedIn-Netzwerken. Kinderbetreuung ist ein Thema. Mangelnde Kinderbetreuung auch. Vor allem der Mangel.
Eben dachte ich, diesem Mangel könnte ich doch Entgegenwirken. Ich könnte vorlesen. Oder Kinderwagen schieben. Oder Schrei-Babies tragen. Oder Kinder in der Kita abholen. Oder eine Oma sein, für eine Familie hier in der Umgebung. Oder Tipps geben, wie der Alltag mit Job und Kind gut funktionieren kann. Oder Schwangere begleiten. Es gibt auch zu wenige Hebammen für die Zeit im Wochenbett. Es gibt auch zu wenige Menschen, denen man all diese Warum-Fragen stellen kann. Die einfach für einen da sind, in dieser besonderen Zeit mit den kleinen Kindern. Die den Sturz auf der Treppe auffangen.
Ich denke ja ab und an über eine Selbstständigkeit nach. Nicht unbedingt als Coach, wobei das auch spannend wäre. Eltern coachen, für mehr Gelassenheit und eine bessere Vereinbarkeit von Job und Kind. Aber auch Begleitung bei Schreikindern, Babysitter-Dienste im Allgemeinen und Unterstützung im Haushalt mit Kindern im Besonderen, das kann ich mir alles durchaus gut vorstellen. Besser, als mich im Bereich Strategieberatung selbstständig zu machen und Unternehmen beim Change zu begleiten.
Ich kann das mit den Events richtig gut. Und Change liegt mir auch. Aber was ich noch am allerbesten kann, ist dieses mit den Kindern. Vielleicht sollte ich darüber nochmal in Ruhe nachdenken. Wenn die Situation es denn erfordern würde. Weil, erstmal will ich zurück in Event und Change und die momentan laufende Bewerbung würde mir sehr gut gefallen. Also, als Job. Sollte das aber nicht klappen – darf ich darüber nachdenken, welches meiner Talente ich denn der Welt in der Zukunft zur Verfügung stellen will. Oder, in welchem Kontext ich es der Welt zur Verfügung stellen will. Ich könnte aus Familie Business machen.

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