kleinteilig

Ein Tag, ganz nach meinem Geschmack, ein Kaffee, ein SanBitter, ein Orangensaft, ein Almdudler, alles auf Eiswürfel gegossen. So schmeckt der letzte heiße Tag diesen Jahres.

Wobei ich nicht sicher bin, ob es wirklich der letzte heiße Tag ist. Ich verabschiede mich aber dennoch freundlich, weil für den Moment Abkühlung ins Haus steht. Und die ist auch dringend nötig, weil die Hitze in den Wänden glüht und wir die Innentemperatur auch mit geschlossenen Fensterläden kaum noch unter 30 Grad bekommen. Das ist auf Dauer eine Belastung, nicht nur meines Nervensystems.

Ich weiß nicht, ob später nochmal so heiße Tage folgen. Ich halte nichts von Wettervorhersagen, die sich weit über drei Tage im voraus ausleben. Meist kommt es anders, wie so oft im Leben. Sollte es nochmal heiß werden – dann ist das so. Für den Moment bin ich dankbar, wenn es tatsächlich etwas kühler wird. Die Wohnung ist immer noch bei 29 Grad und es schläft sich tatsächlich ermattend bei diesen Innentemperaturen. Es ist ein wenig, wie neben dem Backofen einschlafen und dann erschrocken aufwachen, mit dem Gefühl, das Brot im Ofen vergessen zu haben …

Heiße Sache, also, und dabei harmlos im Vergleich zu Ende Juni, wo wir in der Wohnung 34 Grad hatten und es gefühlt nicht mehr kühler wurde. Bleibt, zu überlegen, was wir tun können für die Zukunft. Sowohl für uns im Kleinen als auch für die Welt da draußen, im Größeren.

Dieses „früher war es auch so heiß im Sommer“ ist ja nur die halbe Wahrheit. Ja, wir hatten auch Temperaturen über 30 Grad. Immer mal. Aber nie so oft und so lange hintereinander. Auch diese 39,5 Grad von gestern oder die 41 Grad von Ende Juni – das ist halt eine andere Hausnummer. Früher, ich erinnere mich, vor 20 Jahren, sind wir schon bei 31 Grad ans Limit gegangen und viele Menschen waren total überfordert von der Hitze. Heute ist unter 31 Grad schon die Überlegung, ob man da noch ins Schwimmbad gehen kann, weil, ist ja eigentlich schon zu kalt …

Irre ist das. Alles unter 35 Grad fühlt sich für mich jedenfalls draußen nicht mehr so warm an. Ist schon fast normal.

Nicht normal ist, was dieses Wetter für die Umwelt bedeutet. Es trocknet aus. Alles. Auch mein Hirn. Es bilden sich Krusten. Wenn jetzt kommende Woche der Regen kommt, wird er nicht helfen, sondern je nach Masse für weitere Probleme sorgen. Weil er nicht absickern kann.

Es sickert nicht nur mir so langsam durch, dass dieses „in den Tag hineinleben“ eine schwierige Angelegenheit ist. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, wo ich mit meiner einen kleinen Stimme einen Unterschied machen kann für das Klima. Mal sehen, wie weit mich diese Gedanken tragen, weil mir natürlich bewusst ist, dass ich aktuell die Zeit dafür habe. Sobald ich aber wieder arbeite, ist es utopisch, parallel noch das Klima zu retten. So leid mir das tut. Aber mein normaler Alltag hat keinen Lücken. Da sickert auch nichts durch. Wobei auch das eine Ausrede sein könnte.

Heute war jedenfalls ein seltener Sonntag, einmalig im Monat, wenn überhaupt. Ich hatte mehr Zeit für kleine Dinge. Begonnen habe ich mit ausschlafen, danach stand frühstücken auf dem Plan, ganz für mich allein und in Ruhe. Im Anschluss lesen, mit Freundinnen schreiben und Wäsche waschen. Ohne Druck, ohne Plan, alles kann, nichts muss. Die perfekte Umgebung für kleinteilige Dinge.

Dinge, die weniger als 5 Minuten meiner Zeit beanspruchen und dennoch wochenlang herumliegen, wie dieser Luftpolsterumschlag. Oder die zwei Paar Fußballschuhe von K5. Der Umschlag ist jetzt im Keller, bei den Verpackungsmaterialien. Die Fußballschuhe sind fotografiert, bei Kleinanzeigen eingestellt und direkt auch weggeräumt. An einen Platz, an dem ich sie finde, falls sie jemand kaufen will. Ich bin durchaus organisiert. Partiell.

Dinge erledigen. Kleine Dinge, langsames Tempo. Ganz bewusst. Mich nach Dingen bücken, die auf dem Fußboden liegen. Auch das, die einfachste Sache der Welt, und dann tritt sich das doch über Monate fest.

Ich war heute ganz bei mir. Ich hatte Pausen, saß auf dem Balkon mit einem Buch, saß auf dem Sofa, mit demselben Buch. Habe nachgedacht, mich darüber informiert, wie ich besser werden kann im Seife gießen und wie Benedict Wells eigentlich in echt aussieht. Eins seiner Bücher lese ich gerade.

So schön. Dieser kleinteilige Tag. Das große Thema Klima tauchte dennoch immer wieder darin auf und vielleicht kann ich es in den kommenden Tagen weiter anschauen. Es gibt bestimmt kleine Dinge, die ich in meinem Alltag ändern kann, um uns zum einen besser auf kommende Hitzesommer vorzubereiten, um aber auch dazu beizutragen, dass es besser werden kann in dieser Welt. Auch hier dünkt mir, möchte ich ein gutes Vorbild sein für meine Kinder.

Ich glaube, das Thema Klima finde ich von all den Themen, für die Vorbild werden kann, am Wichtigsten. Wir haben nur eine Welt, in der wir nur dieses eine Leben leben. Das ist jetzt nicht so die Masse. Da wäre es doch gut, die Zeit und den Ort so gut es geht zu würdigen.

Oft machen die kleinen Dinge den größten Unterschied. Also suche ich etwas Kleines, dass ich auch tun kann, wenn ich wieder einen vollen Kalender habe. Eine erste Aktion habe ich heute online gefunden. Am 30. August gibt es hier bei mir um die Ecke ein „Clean up Bessungen“, bei der Aktion werden Kippen und anderer Müll gesammelt. Gute Sache. Das trage ich mir in den Terminkalender ein und mein Sohn kann dann auch direkt mitkommen. Wir waren früher schon immer mal (eher selten, aber dennoch) gemeinsam im Wald, Müll sammeln. Es tut gut, das zu wiederholen. Eine kleinteilige Aktion, aber ein Anfang. Wer weiß, was für nette Menschen ich dabei kennenlerne. Oder das Gegenteil. Das findet sich nur beim Tun heraus 🙂

Ich freu mich, dass dieser kleinteilige Sonntag auch ein so schönes Ziel in meinen Kalender gebracht hat 💚

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