Licht in Musik

Hier, um mich. Brennend, leuchtend, flackernd, leise knisternd. Wachsend. Fließend. Vergehend. Am Ende, ein Duft. Dieses „frisch ausgepustete Kerze“ hält sich flüchtig lange im Raum. Wie ein Ton, der hell schwebt.

Ich sitze. An einem Fuß ein Hausschuh, der andere Fuß nackt und ein bisschen kalt. Wo der zweite Hausschuh ist, das habe ich gar nicht gesucht.

Ich suche aktuell nur wenig. Ich bin zufrieden, mit dem, was ich gefunden habe, ohne zu suchen. Was zu mir kam. Was da ist. Nicht immer alles? Dafür immer mehr. Mehr Optionen. Mehr Möglichkeiten. Mehr Sichtweisen. Mehr Licht. Mehr Gerüche. Mehr Töne. Mehr Bewusstsein, was ist warm, was ist kalt, wie fühlt sich der Unterschied an, wie gehe ich damit um?

Ich wechsele den Hausschuh. Auch wenn er für den anderen Fuß eigentlich gar nicht gemacht ist. Das ist okay. Manches ist unbequem. Dafür umso realer und prägender. Nicht alles ist leicht, manches darf sich anpassen und manchmal ist das die beste Lösung. Bevor ich stundenlang suche, setze ich mich lieber und lausche all der Musik.

Die Musik diesen Jahres. Seit neun Jahren lade ich alle Bekannten und Verwandten ein, mir ihre Lieder des Jahres zu schicken und stricke daraus die unglaublichste Playlist. Spotify weiß nicht so recht, was es von mir halten soll. Ich bin nicht einzuordnen, habe kein Muster, höre alles, jedes Genre. Laut, leise, schrill, ruhig, klassisch oder mit Motorsäge eingespielt. Aber alles echt. Und alles Gefühl. Und in diesem Jahr, zum erstem Mal eigentlich, höre ich bewusst. Ich nehme mir Zeit, die Lieder passend zu den Personen zu hören, verknüpfe sie bewusst mit den Menschen, die mir diese Lieder geschenkt haben. Fühle hin. Vieles ist dabei, wo ich nachfrage – auch, wie viel des Liedes das momentane Erleben wiederspiegelt. Da ist von Liebeskummer zu hören, von Verzweiflung, von Trennung, von Wiederfinden der eigenen Stärke, von Zuversicht, von Liebe zum Partner, vom Wunsch nach mehr Feiern, von Wachstum, von Jobveränderung und ganz viel erhobener Stinkefinger hinsichtlich einer Welt, die immer kälter wird. Hier! Ist Licht und Wärme und ganz viel Gefühl.

Ich liebe es. Vor allem dieses, dass ich nach neun Jahren tiefer gehe, als ich es je noch für möglich gehalten habe. Keine heile Welt. Keine vollständige Welt. Aber eine gesunde Welt, voller Gefühle. Gefühle. Licht. Musik. Alles, was fehlte. Alles, was ich suchte und nicht fand. All das, was kam, als ich nicht damit rechnete. Es ist hier, mit mir, in diesem Raum. Hell. Mit einem Hausschuh. Der andere? Findet sich auch wieder. Da darf man Geduld haben. In einem guten Haushalt geht nix verloren. Und den habe ich – den guten Haushalt.

In Liebe und Licht. Singt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert