Müllkippe

Räumt auf, und lasst verdammt nochmal nicht alles fallen, was ihr in den Händen haltet. Die Welt ist keine Müllkippe!

Ich habe mich heute mit Müll beschäftigt. Clean Up Bessungen hat aufgerufen, gemeinsam in den Kampf gegen die Zigarettenkippe zu ziehen. Der heimliche Champion der am häufigsten weggeworfenen Abfallprodukte. Wer dachte, dass sei Plastik, den muss ich enttäuschen. Plastik ist auch Müll und dabei nur auf Platz 2. Fast schon enttäuschend.

Kippen lesen sich auch inhaltlich wie der Beipackzettel des Todes. Mit bis zu 7000 chemischen Verbindungen sind sie definitiv ein Spektakel. Halt kein Gesundes.

Besonders beeindruckt hat mich das Nikotin, es kann sich richtig gut konzentrieren! Allerdings lässt die Konzentration bei Regen nach, da schwimmt das Nikotin davon, gemeinsam mit seinen Freunden Arsen, Blei und Cadmium. Ganz harmonisch versickern die binnen von 30 Minuten restlos im Grundwasser. Das ist gruselig. Sie verteilen sich freundlich im Boden und bringen Bäume an ihre Grenzen und Kleinstlebewesen direkt um die Ecke.

Ein Kippenstummel. 40 bis 60 Liter Grundwasser. Das war mir bis heute nicht bewusst. Ich habe nie darüber nachgedacht, welchen Einfluss Kippen auf die Natur haben.

Seit heute weiß ich mehr und damit kann ich Kippen jetzt nicht mehr ignorieren. Ich überlege, einen kleinen Müllbeutel und eine Pinzette in meine Taschen zu packen, um unterwegs gerüstet zu sein für die Kippen meines Lebens. Hat ja jeder so seinen Spleen, das könnte meiner werden. Ich fühle mich dem Müll persönlich verbunden.

Mir ist herzlich egal ist, mit was sich andere Menschen das Hirn benebeln. Darf ja jeder selbst entscheiden. Ich möchte nur möglichst wenig damit in Kontakt treten, weder in der Luft noch im Grundwasser. Kippen gehören in den Restmüll. Es danken auch die, die keine eigene Stimme haben.

Bäume, zum Beispiel.

Wir haben heute mit gut 60 Personen 3 Kilo Kippen gesammelt. Wahnsinn, wenn man überlegt, dass so ein Zigarttenstummel ja nichts wiegt … Weiteren Müll haben wir auch mitgenommen. Hundescheiße im Beutel. Klopapier im Gebüsch. Plastik in allen möglichen Formen. Flyer und Verpackungen. Kronkorken und Flaschen. Jede Menge alles Mögliche.

Clean Up war ein schöner Nachmittag, ein bewusster Nachmittag in meiner Nachbarschaft. Ich bin weniger als 7000 chemische Verbindungen eingegangen, aber das ist okay so.

Das schönste war, eine Mama wiedergetroffen zu haben, deren Sohn mit meinem Sohn vor über 10 Jahren im Hort war, Grundschule. Wir sind dann gemeinsam losgezogen, Kippen sammeln, und haben uns auf den neuesten Stand unseres Lebens gebracht. Das war schön und unbekümmert und herzlich und ich habe es sehr genossen, einen unkomplizierten Nachmittag mit guter Unterhaltung verbracht zu haben. Ich bin mit einem sehr guten inneren Gefühl wieder heim gegangen.

Anderen Gutes tun ist immer auch, uns selbst Gutes tun.

Für die Zukunft halte ich meine Augen offen und nehme an weiteren spannenden Veranstaltungen in meinem Viertel Teil. Ich möchte besser in Verbindung kommen mit den Menschen, die hier auch wohnen, und dabei vielleicht auch eine Berufung finden, die ich in einer möglichen Zukunft ehrenamtlich füllen kann.

Unsere Welt ist wunderschön. Es gilt, auf sie aufzupassen. Damit können wir ganz einfach beginnen, direkt vor unserer Haustür. Es sind nicht immer die großen Dinge, die die Welt verändern. Oft sind es die kleinen, unscheinbaren Dinge. Wie Zigarettenstummel. Denen sieht man ihren Impact auf die Umwelt auch nicht an …
Also Augen auf für bessere Verbindungen.

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