Nach der Pause tasten

Ich esse, was ich essen kann. Ich denke, was ich denken kann. Ich spreche, über was ich sprechen kann. Ich schreibe, was davon übrig ist.

Ist das die richtige Richtung? Oder sollte ich die Kassette wenden? Wie wäre es, gerade und umgekehrt? Ich schriebe, was ich schreiben kann? Ich spräche, was ich sprechen kann? Ich dächte, über was ich denken kann? Ich äße, was davon übrig ist? Zumindest beim Essen wäre das sicherlich ausgewogen.

Ausgewogen habe ich mich heute auch. Knöpfe an Hosen dürfen ab sofort offen bleiben. Das Leben engt mich aktuell ein. Attraktiv ist, was sich breit und schützend über meinen Bauch legt. Ich überlege, was wohl die Schwangerschaftsmode dieser Tage zu bieten hat?

Ob ich mich beim Überlegen überlegen fühle?

Ob ich mich wohl fühle, in meiner Haut? So wie ein Pudel? Woher dieses Pudel-Wohl wohl kommt? Weil, sind Pudel die glücklichsten Hunde dieser Welt, oder warum sagen wir „ich fühle mich pudelwohl“?

Spannend auch, was ich mir alles nicht denken WILL. Also, können, ja. Ich kann mir alles mögliche denken, Nutella auf Toast und andere gute Dinge. Ich kann mir Dinge schön denken. Hässlich denken. Kaputt denken.

Gerade gebe ich meinem denkenden Affen viel Futter. Zucker hypt mich. Wenn Erdbeeren mit in der Schokolade sind, dann ist es schon gesund, verspreche ich mir.

Warum das alles? Was denke ich mir dabei? Ich habe doch wirklich alle Möglichkeiten, mein Denken zu gestalten. Zeit ist vorhanden. Ein Gehirn ist vorhanden. Zucker ist vorhanden. Ob das schon ausreichend für eine gute Mischung ist?

Gestern hatte ich einen vollen Tag, voller Gedanken und Worte. Ich habe mich durchgehend besprochen, im Vorstellungsgespräch, im Abschlussgespräch, im Beratungsgespräch. Ich war für die Zukunft, im Jetzt, in der Vergangenheit.

Das Vorstellungsgespräch lief hervorragend. Es scheint nahe zu einfach, mit diesen Menschen, die vielleicht meine Kollegen werden, ins Gespräch zu kommen. Wenn etwas so leicht ist, ist es dann in Ordnung, wenn es wahr wird?

Das Abschlussgespräch im Rahmen meines beruflichen Coachings war auch einfach und herzlich. Ich hatte bis zum Schluss Glück mit meiner Coachin. Sie hat mir die Bürokratie weitestgehend vom Leib und mich einfach sein lassen. Besser hätte ich es kaum treffen können.

Das Beratungsgespräch bei meiner Anwältin war dann schon etwas intensiver. Wir bereiten uns auf den Kammertermin beim Arbeitsgericht vor. Dazu gehört, die Stellungnahme der Beklagten zu beklagen. Da stehen Dinge drin, die nicht wirklich unwahr sind, aber doch zumindest im zeitlichen Rahmen verschoben. So halbgare Halbwahrheiten. Da es keine Aussicht auf eine finanzielle Schadenswiedergutmachung gibt, war ich geneigt, es einfach so stehen zu lassen. Zu anstrengend, sich zu denken, was ungesagt dahinterstehen möchte. Allerdings sieht das meine Anwältin nicht so. Die denkt anders, und ob sie das zu Recht tut, erfahren wir im Oktober.

Alle drei Termine fließen am Ende des Tages natürlich in mir zusammen. Wie Sport. Ich fühle mich, als hätte ich ein Kaloriendefizit, das dringend ausgeglichen werden muss. Egal mit was, Hauptsache, ich kann es essen und verdauen. Ich war weit über dem normalen Kalorienbedarf eines durchschnittlichen Tages. Da war Freude, Euphorie, Energie, aber auch der Blick nach innen zu einem „was will ich sein“ und zurück zu einem „was habe ich da eigentlich gewollt“.

Ja, was wollte ich in meinem alten Job?

Und was könnte ich in meinem neuen Job wollen?

Ich habe das gestern für mich formuliert. Mich nicht mehr verdrehen. Mich wohl fühlen. Meine Expertise weiter ausbauen. Neues lernen. Mitgestalten.

Ich fragte, wie das Onboarding bei ihnen im Unternehmen aussieht. Ob mich die Arbeit einfach finden würde, oder ob noch etwas mehr vorgesehen sei. Davon abgesehen, dass die Arbeit mich immer findet, ob ich das will oder nicht, gibt es hier Prozesse, ein Onboarding, zwei Buddies und ein angeblich aufgeräumtes Wiki.

Ich bin gespannt, herauszufinden, ob das wirklich die Wahrheit ist. Weil, wenn, dann wäre das kaum auszudenken.

To circumstances, habe ich noch eine weitere Phase der Unsicherheit vor mir. Eventuell auch weitere Kilo auf der Waage. Wir werden sehen. Menschen im Unternehmen sind noch im Urlaub, es werden zudem noch weitere Gespräche geführt und erst gegen 9./10. September werde ich erfahren, ob ich ein Vertragsgespräch bekomme oder ob ich ohne zwei Buddies weitermachen darf.

Bis dahin ist Pause. Pause vom Bewerbungsprozess. Pause vom Coaching. Pause vom Gerichtsverfahren.

Pause vom Denken? Vom Sprechen? Vom Schreiben? Vom Essen?

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