neue Gewohnheiten, Runde zwei

Manchmal lese ich versehentlich Texte von mir selbst und erschüttere in Schönheit. Worte. Tja. Taten. Noch mehr Tja. Ich wollte also – schreiben? Jeden Tag? Und am Wochenende schauen, was dabei herausgekommen ist, um das dann in irgendeiner Form zu sortieren? Zu lesen, hier: neue Gewohnheiten

Aha.

Vielleicht gehe ich jetzt doch besser raus und mache den Hausflur sauber, wegen des Nikolaus. Der kommt ja bald. Und der soll nicht denken, dass wir dringend einen neuen Kehrbesen brauchen. Im Hausflur, da liegt nämlich viel Garten in Form von Erde. Erde, die immer zwischen den Stollen der Fußballschuhe von K5 hängen bleibt und sich beim Treppe hochtraben schön gleichmäßig ablegt. Ich könnte eine von diesen Pflanzkugeln ins Treppenhaus werfen und im Frühjahr hätten wir einen Haufen Wildblumen. Jede Wette.

Die Nachbarn mit Hund machen dagegen GAR KEINEN DRECK und das macht sie ehrlich ein bisschen unheimlich 😉

Aber zurück zu den Gewohnheiten. K5 hat es sich zur Gewohnheit gemacht, jeden Tag noch eine Runde Fußball zu spielen im Garten. Bei Regen. Bei Dunkelheit. Bei 30 Grad. Immer. Wetter egal. Er geht und kickt und es ist schön zu sehen, wie die Übung ihn immer sicherer im Umgang mit dem Ball werden lässt.

Übung, die ich mir im Juni fürs Schreiben gewünscht habe. Seitdem ist wenig Text entstanden, weil ich nicht so geübt darin bin, mich umzusetzen. Ich sitze auch jeden Tag am gleichen Platz am Tisch. Ein eifriges Routieren findet hier nicht statt. Ich bin eher dankbar für eine gewisse Behäbigkeit. Ginge es, ich würde im Bus immer auf demselben Platz sitzen. In der Firma nehme ich von drei Toiletten immer die erste, nur jetzt nicht, jetzt ist die kaputt. Und der Milchaufschäumer steht in der Geschirrspülmaschine immer an derselben Stelle!! Mit dem Argument, dass er an anderer Stelle nicht so gut sauber wird, was natürlich totaler Unfug ist.

Ich werde also alt. Liest man so zwischen den Zeilen. Bin mir unsicher, ob ich das eigentlich üben muss oder ob das auch ohne Übung stattfindet …

Tatsächlich fehlt mir das Schreiben, fehlt mir nicht. Ich schreibe weniger. Ich beobachte, dass mein Drang, ALLES ALLES ALLES zu erzählen, immer kleiner wird. Und ich begrüße das. Mein Umgang mit ALLES wird gesünder. Ich will auch auf Linkedin keine großen Reden mehr schwingen. Wie spannend es allerdings wäre, wenn ich wirklich Interna weitergeben würde, also, wirklich Dinge, die im echten Alltag mit Menschen, egal ob beruflich oder privat, passieren … Also, da wäre was los! Ich hätte aber auch binnen kürzester Zeit noch weniger Freunde oder gar keinen Job. Aber – dafür mehr Zeit zum schreiben, nicht wahr?

Ich nehme erfreut zur Kenntnis, dass ich nicht mehr alles erzählen will. Ich bin fein, in mir. Ärger über den Ex? Ach, lohnt nicht der Aufregung. Ärger im Job? Ach, ist nur ein Job. Freude mit den Kindern? Fühle ich voller Wärme, muss ich nicht mehr mit der Welt teilen. Die Welt und ich, wir brauchen kein tägliches Update. Welche große Erleichterung! Weil, mein „ich erzähle alles“, das gerade in den Anfängen des Blogs sehr intensiv war, ist auch ein Zeichen meiner inneren Unsicherheit, meines Bedürfnisses, geliebt und akzeptiert und verstanden zu werden. Das brauche ich nicht mehr so dringend. Natürlich möchte ich akzeptiert und geliebt werden. Bevorzugt von mir selbst. Und das – dieses, was ganz am Anfang meiner Blog-Reise als Frage stand – dieses wächst und gedeiht und sagt leise „ich liebe dich“.

Heute morgen erst, zu K5. Ich nehme die Kinder sehr oft und gern in den Arm und sage ihnen, dass ich sie lieb habe. Aber ein „ich liebe dich“ kommt mir schwer von den Lippen. Es ist etwas ganz anderes, jemand „lieb zu haben“ und jemanden „zu lieben“. Und ja, ich liebe meine Kinder. Jedes. Alle. Wie sie sind. Und manchmal nerven sie mich auch, weil sie so sind, wie ich sie ja dennoch liebe. Aber sagen? Ernsthaft ein „ich liebe dich“ sagen? Passiert sehr selten. Ich habe Jahre gekämpft, um überhaupt wieder fühlen zu können. Danach habe ich Jahre gekämpft, um das in Umarmungen fließen zu lassen. Und jetzt sage ich heute morgen vor dem Schulgebäude „ich liebe dich“ zu meinem Sohn und ernte Wärme, einen Kuss und ein „ich liebe dich auch, Mama“.

Das dazu. Wo war ich stehengeblieben? Neue Gewohnheiten? Nein, ich werde nicht jeden Tag schreiben. Aber jeden Tag singen. In der Küche. Und jeden Tag „ich liebe dich“ sagen, zu mir selbst und auch regelmäßig zu den Kindern. Ich werde jeden Tag stolz sein auf mich. Und ein Hoch auf die Gesundheit singen.

Mit dem Schreiben, das wird kommen. So wie alles kommt, zu seiner Zeit. Ich werde Schreiben, anders schreiben, genauso schreiben, was auch immer. Ich lasse mich überraschen, von mir selbst und dem, was ich in Zukunft erzählen will. Was ich fühlen will. Was ich teilen will. Wer ich sein will. Gerade schreibe ich, weil ich mich fühle und das ist ein gutes Gefühl. Ich, mit Gefühl, einmal mehr.

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