Machtlos. Planlos. Motivationslos. Kontaktlos, mit mir selbst. Hier ist was los. Mir geht es bescheiden. Mein Los scheint zu sein, immer noch nicht klar zu kommen, wenn wir Ferien haben und ich einen Tag lang wirklich einfach in den Tag hinein lebe.
Ich weiß, dass dieses „ich lebe in den Tag hinein“ im Grunde unmöglich für mich ist. Es macht mich unruhig, es löst maximal Stress aus, zumal wenn ich mich dennoch um Essen und Einkaufen und den normalen Alltag kümmern soll. Und trotzdem lasse ich es immer wieder darauf ankommen. Jede Ferien wieder bringe ich mich damit nahezu selbst um. Kann man sich nicht ausdenken.
Ich habe mich heute einfach so vor mich hin treiben lassen. Gedankenlos. Nur leider, kann ich das nicht. Ich kann mich weder gut treiben lassen noch kann ich dabei mein Denken abschalten. Es denkt die ganze Zeit weiter. Meine Gedanken wird man eines Tages extra abschalten müssen, wenn der Rest von mir bereits tot ist.
Früher war das besser. Vielleicht war ich einfach Jünger und kannte mich weniger gut. Wenn ich einen schlechten Tag hatte, habe ich nicht darüber nachgedacht. Ich war schlecht drauf, eventuell habe ich irgendwen angeschrien oder mir sonst wie Luft verschafft. Garantiert habe ich nicht reflektiert und hinterfragt, was los ist und was ich tun kann. Es war einfach ein Tag, an dem ich halt nicht so konnte wie sonst. Egal.
Heute ist es anders. Anstelle gelassener geworden zu sein, reflektiere ich mich von hinten und von vorne und will genau wissen, was eigentlich los ist. Mein Anspruch an mein Bitteschön vorzeigbar perfektes Leben ist massiv gestiegen. Ich weiß mehr, und erwarte daher mehr. Auch bessere Antworten auf meine unendlichen Fragen. Es war doch alles gut, bis gestern? Stresst mich mein Kind so sehr? Stresst mich mein Leben so sehr? Stresst mich die Ex-Kollegin, die mich fragt, wie es bei mir so läuft? Stresst mich die andere Ex-Kollegin, die gegründet hat? Stresst mich, dass alle Menschen ihr Leben leben, nur ich nicht? Ich sitze hier und tue gerade gar nichts. Keine Bewerbung, kein Anschreiben, keine Idee. Ich bin einfach nutzlos.
Antriebslos.
Ohne Grund, übrigens. Ich war eben letztens noch begeistert von all dem, was ich die Woche erreicht habe. Keller, Balkon, Hausflur. Am Ende des Tages ist das aber natürlich nur Kosmetik. Es ist ein Kilo mehr auf der Waage, mein Bauch ist total verspannt und hart, ich habe Schmerzen am Zwerchfell, ich bin übergewichtig, ich bin all das so leid. Deshalb esse ich einfach weiter Süßigkeiten. Ich komme immer noch nicht voran. Wenn ich mal zwei Schritte mache, zerre ich mir garantiert mein Hirn und muss wieder ausruhen. All meine Pläne – morgens direkt spazieren gehen, trotz Ferien, weiterhin zum Sport gehen, trotz Ferien – die fülle ich einfach nicht mit Leben. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt und mich komplett handlungsunfähig gemacht. Ich hasse diesen Zustand. Es ist, wie gelähmt zu sein. Als sei ich ein Reh, dass von einem Scheinwerfer angestrahlt wird und völlig perplex vom Leben überfahren wird.
Immerhin habe ich meine Zähne geputzt, die Wäsche hängt, die Küche ist ready, ich habe mit K5 ein paar Schulsachen besorgt, ich war einkaufen und habe gekocht, und wir waren im Kino, Minions & Monsters. Man könnte meinen, ich habe ein paar Dinge auf die Kette bekommen. Spontan Kinokarten kaufen, pünktlich aufbrechen, pünktlich kochen. Ja, das hat mir ein bisschen geholfen, war aus der Not geboren. Aber wirklich gut? Es geht mir Hundelend. Es scheint mein Los zu sein, immer wieder von mir selbst verarscht zu werden.
Warum kann ich nicht einfach so produktiv sein wie andere Menschen?
Warum kann ich mich nicht wirklich gut um mich kümmern?
Warum kann ich nicht liebevoll und rücksichtsvoll mit mir umgehen?
Warum bin ich so schwach?
Warum habe ich keinen Ehrgeiz?
Warum kann ich nicht umsetzen?
Warum bin ich so eine Niete?
Ich bin ein Wrack. Das scheint mein Los zu sein.

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