raumfüllend

Wenn ich so darüber nachdenke, wie ich jeden Tag über mich nachdenke, da stelle ich schon fest, dass es denkbar wäre, dass mir eine Aufgabe fehlt. Also, eine Aufgabe die mehr beinhaltet als dem Balkon mit einer Drahtbürste zu Leibe zu rücken. Ja, es ist ziemlich befriedigend, wenn das Moos zwischen den Waschbetonplatten verschwindet. Aber wirklich herausfordernd ist das maximal körperlich. Und, okay, für die Motivation ist es auch ein toller Test.

Ich will meine neu gefundenen Aufgaben in Haus und Heim nicht schlecht denken, sie haben durchaus Hand und Fuß. Es tut zudem gut, zu sehen, wie es ordentlicher werden kann in meinem Leben. Dennoch bleibt der Gedanke, dass es zu wenig ist. Ich kreise um mich, um den Balkon, um das nächste Mittagessen. Das ist eindeutig zu wenig. Es ist nicht raumfüllend. Mein Hirn hängt nach.

Das ist kein guter Zustand. Ich bin mir sicher, dass mir dieses täglich kritisch über mich selbst sinnieren nicht die richtige Beschäftigung für mein Hirn ist. Besser wäre, ich hätte eine Aufgabe im Außen, die ich durchdenken und lösen könnte. Das würde mir auch innerlich gut tun. Die maximale Aufmerksamkeit auf mich selbst zu lenken kippt am Ende des Tages in der Form, dass ich mich zerkleinere. Und das ist unnötig.

Diese Erkenntnis ist wichtig für den Job. Eine rein operative Aufgabe wird auf die Dauer nicht funktionieren für mich. Ich glaube, ich brauche eine gute Mischung aus Strategie und operativen Handeln. Mir geht es gut, wenn ich tiefe Gespräche führen kann, in Themen abtauche, mich denkend entwickele. Allerdings nicht, wenn ich ausschließlich über mich und meine vermeintlichen Mängel sinniere.

Es darf mir gut gehen! Es gibt keinen Grund, dass ich mir selbst Waschbetonsteine in den Weg lege. Eventuell sollte ich sehr bald anfangen, etwas Neues zu lernen. Eine Sprache. Neue Stücke auf dem Klavier. Häkeln. Häkeln wollte ich schon längst mal lernen. Weil – ich glaube, der Raum in meinem Hirn braucht mehr als nur ein wenig putzen, aufräumen und Wäsche waschen. Was genau mein Raum braucht, wäre natürlich spannend herauszufinden. Ich ahne, dabei denke ich dann wieder nur über mich selbst nach.

Nun denn. Es war auch nur so eine Idee. Heute im Laufe des Tages war ich so erschöpft vom Denken, dass ich doch glatt einen Nachmittagsschlaf auf dem Sofa gemacht habe. Ich kann berichten, das war toll. Vor allem, weil dabei auch mein Hirn Ruhe gegeben hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert