Simulant

Stell dir vor, dein Rechner jault, du rufst die Infra, der Kollege kommt und dein Rechner funktioniert just in dem Moment einwandfrei und als sei nie was gewesen …

Kennt vermutlich jeder, der nicht selbst in der Infrastruktur arbeitet. Das ist ähnlich wie der Bus, der genau dann kommt, wenn man sich gerade eine Kippe angesteckt hat. Ich habe in meinem Leben genau aus dem Grund schon darüber nachgedacht, mit dem Rauchen anzufangen.

So war es heute auch beim Arzt mit meinem Sohn. Der Stich, der gestern noch beunruhigend aussah, war heute schon verharmlost. Quasi Schnee von gestern, wobei wir gestern eher wenig Schnee hatten. Jedenfalls – heute Abend im Biergarten war mir tatsächlich kurzzeitig KALT! Ich konnte es selbst kaum glauben. Es ging ein Wind, und wir hatten 25 Grad, und ich saß da in meinem T-Shirt und einer langen Sommerhose und fror.

Ich habe glatt zweimal Hatschi gemacht im Biergarten. Eventuell sollte ich einen Akut-Termin beim Arzt deswegen vereinbaren …

(kichert)

Naja, ganz so schlimm war es jetzt nicht beim Arzt heute Mittag. Es war schon okay, dass wir da waren, auch wenn es im Grunde unnötig war. Mein Sohn ist beruhigt. Ich bin auch beruhigt. Wir sind sehr nett versorgt worden. Es ist eine kleine, lokale Entzündung, die der Körper gut allein bewältigen kann. Es wird ein paar Tage brauchen, bis es abgeheilt ist, und dann ist es auch wieder gut. Einfach weiter beobachten. Gut ist’s.

Klingt dann doch sehr unspektakulär. Da bekomme ich fast so ein Gefühl von „ich schäme mich, wegen einer Lappalie beim Arzt gewesen zu sein“. Dieses Gefühl kenne ich, es gehört zur Gruppe „ich will auch niemanden Umstände machen“. Die gesamte Gruppe ist ehrlicherweise nicht mehr willkommen in meinem Daheim. Dieses stete „Huch, ich bin jemand völlig unnötig zur Last gefallen“ ist total out.

Das Schöne des heutigen Tages? Gleich drei Dinge. Erstens, der Stich ist harmlos. Zweitens, wir sind viel mit dem Fahrrad gefahren und mein Sohn wird immer fitter. Drittens, ich konnte dieses „was denken die jetzt, wie blöd ich bin“ – Gefühl freundlich anlächeln und ihm mitteilen, dass es völlig fehl am Platz ist. Es ist unnötig und darf sich entfernen.

Und das ist gelungen! Krass, weil, natürlich sage ich mir das öfter, was nicht heißt, dass ich mir auch zuhöre, oder besser noch, dass ich es zwar rational verstehe, aber NULL fühlen kann. Ich werde besser!

Anderes wird auch besser. Mio weiß jetzt, wie eine Rötung aussieht, die ihm Sorge bereiten sollte. Er hat den Hausarzt seiner Geschwister kennengelernt und ist jetzt auch mit im „Club der Erwachsenen“. Wenn er später einen Hausarzt sucht, hat er den schon gefunden.

Alles in allem ein Top Ausflug! Hätte ich das beim Kinderarzt klären lassen wollen, hätten wir zwei Stunden gewartet und wären dann wirklich belächelt worden. Der tut das nämlich. Hier war es einfach nur ein freundliches Lächeln und ein sehr entspannter Umgang. Ich habe dann noch angekündigt, dass ich bei nächster Gelegenheit wegen eines Kurantrages vorbeikommen werde.

Prima Sache, das.

Wir sind dann weitergeradelt, zu Freunden, haben einen Ausflug ans Oberwaldhaus gemacht, waren im Biergarten zu Abend essen und gehen jetzt ins Bett. Gute Sache! Morgen ist ein aufregender Tag. Vorstellungsgespräch!!

Kann ich mir kaum vorstellen, dass das wirklich stattfindet. Es ist ein wenig surreal. Am Ende der Ferien kommt noch Butter bei die Fische. Ich habe mich heute zwischendrin vorbereitet, mir nochmal die Stellenanzeige genauer durchgelesen, mir ein paar Fragen überlegt und über einen sinnvollen Ansatz für ein Event-Konzept für das Unternehmen nachgedacht. Ich komme also bereits mit ein paar Ideen im Kopf. Und dann schauen wir mal, wie das Gespräch sich entwickeln wird.

Coaching hatte ich heute auch, auch das habe ich als Vorbereitung für das Gespräch genutzt. Ich habe den Klassiker mal selbstbewusst für mich belebt. Meine größte Schwäche und wie ich mit ihr umgehe …

Wahrscheinlich werde ich einen solchen Unsinn gar nicht gefragt, genauso wie „wo sehen Sie sich in 5 Jahren“. Letztere Frage wäre auch ziemlicher Unsinn, weil, die Stelle ist auf 2 Jahre befristet …
Aber auch „was ist ihre größte Schwäche und was ihre größte Stärke“ ist eine Frage, die sich nur zu stellen lohnt, wenn Menschen an einen Lügendetektor angeschlossen sind. Weil, wer antwortet da schon ehrlich und sagt „ich kann mich schlecht konzentrieren, bin ständig abgelenkt, hänge 30 Minuten mit dem Handy in der Hand auf dem Klo und klaue Druckerpapier“. Ja, genau: niemand, niemals, nirgendwo.

Und nein, ich klaue kein Druckerpapier, bin natürlich immer im Fokus, gehe nie mit dem Handy aufs Klo und was ist das denn für ein lustiges Video auf Insta???

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