Täglich.
Jeden Tag.
Wiederholend.
Zähneputzen.
Gesicht waschen und eincremen.
Küche aufräumen.
Frühstück machen.
Alle Termine der Kinder im Blick haben.
Essen besorgen und Essen machen.
Planen.
Üben.
Lächeln.
Das Bett machen.
Lüften.
Die Blumen gießen.
Den Müll runterbringen.
Wäsche waschen.
Den Tisch abwischen.
Die Spüle sauber machen.
Aufräumen.
Grübeln.
Nachdenken.
Vergleichen.
Verwundern.
Bin ich anders?
Warum bin ich anders?
Tun die anderen nur so, als seien sie normal?
Was ist normal?
Ist es normal, jeden Tag routiniert laufen zu lassen?
Ist das mit den Routinen eine Überlebenstechnik?
Die uns hilft, im Täglichen nicht verrückt zu werden?
Jeden Tag den Arm eincremen.
Jeden Tag Gymnastik machen.
Sind doch nur drei Übungen, das dauert keine fünf Minuten, dafür hat man doch die Zeit?
Jeden Tag Duolingo machen. Sonst ist der Streak weg. Und Routinen sind doch so wichtig.
Jeden Tag 10.000 Schritte laufen. Ich war so stolz drauf, dies zu erfüllen, fühlte mich mir selbst verpflichtet und auch selbstwirksam. Bis ich keine Lust mehr hatte. Jetzt fühle ich mich frei und irgendwie auch selbstwirksam.
Mehr Druck.
Weniger Druck.
Warum haben Sie die Gymnastik nicht gemacht, fragt der Physiotherapeut. Weil.
Ich das mit dem Täglichen nicht so gut kann. Es strengt mich sehr an.
Schlimmer noch, wenn es zweimal täglich stattfindet. Wie – Zähneputzen.
Ich schaffe das nur mit Tricks. Und oft greifen die nur, wenn die Umgebungstemperatur stimmt. Zähne putze ich seit der letzten Mutter-Kind-Kur immer gemeinsam mit meinem jüngsten Sohn. Abends, wenn er ins Bett geht. Morgens, bevor er in die Schule geht. Es ist ein eingespieltes Ritual, dass nur so funktioniert, weil wir beide das so wollen. Irgendwann kommt der Tag, da will er nicht mehr mit Mama Zähne putzen. Dann brauche ich eine neue Routine. Weil, jetzt – greift das. Ich bin mehr dem Kinde als mir selbst verpflichtet. Und das war schon immer so.
Ich sag ja, hätte ich die Kinder nicht bekommen, ich wäre schon nicht mehr. Vermutlich wäre ich an Skorbut gestorben oder so.
Täglich.
Zweimal täglich.
Dreimal täglich. Dreimal täglich Essen auf den Tisch bringen. Das ist meine größte Herausforderung, und sie ist oft wenig gehaltvoll. Es ist halt – immer was auf dem Tisch und noch nie ist jemand verhungert. Dabei jetzt noch darauf zu achten, dass das immer ausgewogen, ballaststoffreich, vollkörnig oder ähnliches ist, das schaffe ich beim besten Willen nicht. Es gibt oft genug Toast mit Erdnussbutter und Nutella. Und ab und an ein Bircher Müsli. Wenn ich mal aus der Routine ausbreche.
Aus Routinen ausbrechen kann auch gesunde Aspekte haben!
Meist aber hat es eher ungesunde Aspekte, das gebe ich ja zu. Mein Sohn ist übers Wochenende beim Vater? Kann bedeuten, dass ich mir nur einmal am Tag die Zähne putze. Und dass es nur zweimal am Tag was zu essen gibt. Dafür dann dreimal am Tag sinnlos aufs Handy gestarrt wird. Um festzustellen, ich hätte Zeit für die Gymnastik gehabt, ich habe es nur nicht geschafft, sie mir ernsthaft zu nehmen.
Ich habe es mit Boxen probiert. Schattenboxen. Zeitboxen. Ich schaffe das, eine kurze Zeit sogar täglich. Ich starte voller Motivation. Diesmal! Diesmal bekomme ich mich in den Griff. Diesmal bin ich normal. So normal wie alle anderen Menschen, die schaffen das doch auch! Täglich sogar!
Und dann lasse ich nach. Mache es nur noch jeden zweiten Tag. Jeden dritten Tag. Höre auf.
Immer.
Um etwas später festzustellen, ach, war doch keine schlechte Idee, damit kann ich ja wieder anfangen.
Wenn ich eines ausgezeichnet kann, dann ist es dieses. Wieder anfangen. Ich fange immer wieder an. Im Zweifel auch von vorne.
Ich kann auch – mir selbst ein wenig Druck aufbauen, so dass ich einzelne Stränge wie eine Küche zu renovieren sogar FERTIG stelle. Also, ich kann auch zum Ende kommen. Aber nur, wenn da irgendwo eine Linie gezogen ist, die ich nicht überschreiten kann. Also, eine Linie direkt vor einer Wand, und ich habe keinen Hammer dabei. Dann kann ich auf die Linie zu arbeiten. Ich stoppe nicht entspannt fünf oder zehn Meter vor der Linie. Ich komme direkt davor zum Stehen. Mit einem Augenzwinkern. Und ab und an drifte ich auch so geschickt, dass ich halt – zwar noch nicht fertig bin, aber auch nicht an die Wand knalle. Es gibt dann eher ein paar Schrammen an der Tür oder die Reifen nutzen sich überdurchschnittlich schnell ab. Ich bin dann irgendwie fertig, aber nicht perfekt.
Ich verzweifle am täglichen. Ich will es haben! Ich will es können! Ich will jeden Abend eine saubere Spüle und einen sauberen Fußboden haben, weil es super geil ist, am nächsten Morgen barfuß in die Küche zu tapsen und nichts erst wegräumen zu müssen. Sondern direkt und frisch starten zu können. Das liebe ich! Ich liebe es so sehr, dass ich es nicht umsetze. Krasser Move. Mega Talent.
Mich faszinieren Pläne. Weil ich sie nicht verstehe. Blutkreislauf, chemische Verbindungen, Abwasserkanäle, Wanderwege. Alles Pläne, bei denen ich so drauf schaue und denke, häh? Wie läuft das? Welche Klappe öffnet sich wann? Wer reagiert mit wem? Wo verschwindet der Scheiß? Wo muss ich eigentlich hin? Und wo ist noch gleich Norden?
Einen Plan. Jeden Tag. Alles stehen und liegen lassen, weil jetzt die Zeit ist für Spüle sauber machen oder ins Bett gehen. Ein geordnetes Leben. Ein normales Leben. Ein leichtes Leben, in dem alle Dinge einen festen Platz haben. Ruhe. Nicht ständig suchen. Nicht ständig überlegen. Einfach wissen – das ist dort, das ist da, das kann ich, so funktioniert das. Sicherheit.
Sicherheit im täglichen.
Und ich, jonglierend mit Frühstücksdosen, improvisierend mit Trockenobst, scheitere am Täglichen. Heute schon Gymnastik gemacht?
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