verbunden

Ich wollte heute über das schöne Gefühl der Zugehörigkeit schreiben. Ersatzweise wähle ich aus akutem Anlass das Gefühl der Verbundenheit. Ich habe gerade meinen Sohn verbunden. Mit einem Quarkwickel. Auf einem Insektenstich. Der einen roten Rand hat und böse juckt.

Quark ist nicht nur lecker in Kombination mit Honig. Er lindert auch Schmerzen, kühlt, wirkt abschwellend und entzündungshemmend. Eiweiß und Enzyme sei Dank.

Am Montag hat sich mein Sohn zwei böse juckende Mückenstiche am See zugezogen. Ich vermute jedenfalls, dass es Mücken waren. Einer der Stiche hat am Dienstag schon das gemacht, was Stiche halt so machen. Kleiner werden. Der andere Stich am Bein wurde hingegen größer. Ich habe das soweit erstmal hingenommen und nicht weiter kommentiert. Man will dem Kinde auch keine unnötige Angst machen.

Am heutigen Nachmittag zeichnete sich eine leichte Rötung um den Stich ab, die bis heute Abend ein deutlicher Ring geworden ist. Innen hell. Außen rot und ausgefranst. Da gehe ich jetzt nicht mehr ganz so entspannt ins Bett und überlege, mir zur Beruhigung auch einen Quarkwickel aufzulegen. Vielleicht lindert das auch mein Kopfkino.

Verbunden ist der Quark in einer von den kleinen Moltonauflagen, die wir noch aus der Babyzeit haben. Mit einer Mullbinde ums Bein. Ganz locker, damit es beim Schlafen einfach abfallen kann.

Einen Termin bei meinem Hausarzt habe ich eben auch direkt online gebucht. Er nimmt keine neuen Patienten mehr auf. Ich bin gespannt, ob das irgendwie klappt. Ich habe akut für mich gebucht. Wir kennen uns seit Jahren. Die älteren Geschwister gehen alle dort hin, bis auf K1. Der wohnt aber auch in einer anderen Stadt.

Theoretisch könnte ich damit zum Kinderarzt. Der aber war damals bei der Borreliose meiner Tochter auch dezent überfordert. Bei dem fühle ich mich weniger gut aufgehoben. Einen neuen Kinderarzt zu finden ist aktuell eher schwer, daher bin ich dort noch. Auch, weil mein Sohn, ähnlich wie seine Geschwister, quasi nie was hat. Wir gehen zu den Vorsorge-Terminen. Das ist in der Regel ausreichend.

Nun gehe ich morgen zu meinem Hausarzt. Eine erklärende E-Mail habe ich ihm schon geschickt, im Zweifel telefonieren wir morgen. Ich hoffe, das Team macht den Besuch möglich. Ich muss wissen, welcher Erreger hier sein Unwesen treibt. Es kann ganz harmlos sein, besser wäre es. Es gibt aber noch deutlich schlimmere Varianten als eine Borreliose. Gerade in warmen Gewässern entwickeln sich dieser Tage Erreger, die ich mir nicht für meinen Sohn wünsche und die bis hin zu einer Sepsis führen können. Und da reicht es, wenn er mit einfach dran gekratzt hat.

Panik?

Tatsächlich neige ich zum „mach mal halblang, alles easy, wird schon nichts sein“. Und zwar immer. Auch bei Platzwunden, gepaart mit Schürfwunden ist mein erster Weg jetzt nicht zum Arzt oder gar in die Notaufnahme. In der Regel versorge und verbinde ich selbst.

Hier aber sagt mein Bauchgefühl, dass ich aufmerksam sein soll. Und das tue ich dann auch. Ich verändere das Motto des Tages und fühle mich der Fürsorge verbunden. Bei allem Laissez faire, dass ich täglich praktiziere und zwischen den Zeilen herausblitzen lasse, bin ich eines ganz sicher nicht: unverantwortlich.

Im Gegenteil, neben sehr verbindlich bin ich auch manchmal sehr verantwortungsvoll. Wir schauen in dieser letzten Ferienwoche jeden Abend einen Film und essen Chips. Ganz sicher ist das cool, aber nicht gesund. Weder das Fernsehen noch die Chips. Das ist mir aber egal, weil es auch überhaupt nicht notwendig ist, immer gesund zu sein. Bei Stichen am Bein, die Kreise ziehen, sehe ich das dann aber doch etwas kritischer.

Mein Sohn weiß, er ist wahr- und ernst genommen mit seinem Stich. Ich habe ihn dabei in aller Ruhe mit der Sicherheit verbunden, dass er darauf vertrauen kann, dass ich da bin. Immer.

Ich drücke uns jetzt einfach die Daumen, dass die Rötung nicht über meine mit Kugelschreiber markierte Begrenzung hinausgeht. Auch, dass mein Sohn sich morgen fit und fröhlich fühlt und wir unsere geplante Verabredung mit Freunden einhalten können. Das wäre das Wunschszenario.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert